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Lokales

21. Oktober 2017 | 03:13 Uhr

4200 Hoffnungsträger für Paul

vom

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2010 | 06:33 Uhr

Hansaviertel | So lange ist die Schlange vor der Neptunschwimmhalle schon lange nicht mehr gewesen. An die 4200 hilfsbereite engagierte Menschen strömten am Sonnabend in den Marmorsaal der Neptunschwimmhalle, um Paul zu helfen. Der Zweijährige ist leukämiekrank und hat nach einer siebenmonatigen Chemotherapie einen schweren Rückfall erlitten. Jetzt sucht er dringend einen passenden Knochenmarkspender.

Nach einer Stunde registrierten die Mitarbeiter der Deutschen Knochenmarkspenderdatei bereits die 1000. Typisierung. Die Anteilnahme war ergreifend. Pauls Mama, Martina Gülzow war vor Rührung fast sprachlos. "Ich muss echt schlucken über den großen Ansturm von hilfsbereiten Spendern", kam dann doch aus ihr heraus. Unter den Teilnehmern waren auch viele aus dem Umland von Rostock und Sanitz in die Hansestadt zur Blutabnahme gekommen. Sogar Urlauber beteiligten sich an der Typisierungsaktion. Auch Menschen, die als Spender ausgeschlossen werden mussten, waren dabei. Entweder, weil sie über 55 oder unter 18 Jahre alt waren - oder aufgrund chronischer Leiden, wie zum Beispiel Asthma oder Herzkreislaufkrankheiten. Sie kamen mit der Absicht zu helfen und durften nicht. Viele Hansa-Fans reihten sich nach dem Fußballspiel im Stadion nebenan in die Schlange ein, um sich für den guten Zweck pieksen zu lassen. Knapp 200 freiwillige Helfer unterstützten die Eltern organisatorisch bei der Spendenaktion. Schüler halfen beim Ausfüllen des Anmeldebogens für die Registrierung, Krankenschwestern bei der Blutabnahme, Ärzte und Medizinstudenten waren als Ansprechpartner für Fragen vor Ort. Mit dem Verkauf von selbstgebackenen Kuchen und gebastelten Papiersternen wurde Geld für Paul gesammelt. Für die Kinder waren die spaßigen "Klinikclowns im Einsatz" unterwegs und es gab Spieltische mit Mal-und Bastelaktionen.

Nach vier Wochen intensiver Vorbereitung für die Aktion sagt Ingo Rosigkeit, Pauls Papa am Ende des Tages: "Wahnsinn. Wir haben uns diese Hilfe erhofft, aber nicht erwartet und sind sehr dankbar dafür." Was passiert nun mit den mehr als 4 000 Blutproben? Laut Angabe der Deutschen Knochenmarkspenderdateiwerden damit erste Gewebemerkmale bestimmt. Wenn diese mit denen des Patienten übereinstimmen, folgen weitere Prüfungen und eine gründliche Untersuchung. Einen geeigneten Stammzellenspender zu finden ist unglaublich schwer: Bisher sind über 2 600 verschiende Merkmale bekannt und diese können in Abermillionen Kombinationen auftreten. Martina Gülzow hat große Hoffung und erklärt: "Bei Paul ist die Wahrscheinlichkeit für eine Übereinstimmung 1:120 000. Das ist sehr gut, denn andere Patienten haben eine von 1:1 000 000." Sie erwartet, dass nach circa vier Wochen die ersten Ergebnisse der vorliegen.

Aktionen wie die am Sonnabend hat die Spenderdatei in den letzten 19 Jahren über 5000 Mal gestartet. Dadurch sind mittlerweile 2 239 946 potenzielle Stammzellspender registriert worden. 22 213 Patienten erhielten durch die weltweit größte Datei eine Chance auf ein neues Leben. Hoffentlich auch für Paul und seine Familie.

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