Boizenburg : 210. Geburtstag Ludwig Reinhards

Die ehemalige Stadtschule in der Mühlenstraße 8
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Die ehemalige Stadtschule in der Mühlenstraße 8

Am 9. April 1805 wurde der bedeutendste Sohn Boizenburgs geboren

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07. April 2015, 16:39 Uhr

Heute vor 210 Jahren wurde Ludwig Reinhard in Mustin bei Ratzeburg geboren. Sein Vater war dort Pastor, als er 1809 verstarb, zog die Mutter mit den vier Kindern nach Ratzeburg. Dort besuchte Reinhard das Gymnasium, es folgte ein Theologiestudium in Göttingen und Rostock.

Nach dem Studium wurde Reinhard Lehrer und Konrektor in Ludwigslust. Zu Ostern 1843 wurde er als Rektor an die Stadt- und Armenschule nach Boizenburg berufen, „um der herabgekommenen Schule aufzuhelfen“. Damit trat ein überzeugter bürgerlicher Demokrat das Rektorenamt an. Der 38-Jährige kümmerte sich um die dringend erforderlichen Reparaturen am Schulhaus in der Mühlenstraße 8, in dem fast 500 Kinder zu unterrichten waren.

Innerhalb nur weniger Monate reformierte er die Schulordnung, sorgte für bessere Bildungschancen auch für die Kinder der Ärmsten und erwarb sich sehr bald die Achtung und das Vertrauen seiner Schüler, Kollegen und Mitbürger.

Der Schweriner Schriftstellers Jürgen Borchert beschrieb, wie Reinhard oft vor Unterrichtsbeginn vor dem Schulhaus in der Mühlenstraße stand, sich die mitgebrachten Brote der Kinder anschaute und den Kindern eins wegnahm, die zwei hatten, um es denen zu geben, die kein Brot dabei hatten.

An den tagespolitischen Auseinandersetzungen nahm Reinhard regen Anteil und engagierte sich publizistisch für die Demokratiebewegung. Freunde und Gleichgesinnte fand er in John Brinkmann, Hoffmann von Fallersleben, Fritz Reuter und Georg Adolph Demmler.

1848 kommandierte Ludwig Reinhard die 420 Mann starke Boizenburger Bürgerwehr und leitete den örtlichen Reformverein.

Im April 1848 wurde er zum Abgeordneten des vierten Mecklenburgischen Wahlkreises in die in die erste Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt gewählt. Dort gehörte er der äußersten Linken an, der Fraktion „Donnersberg“. Ludwig Reinhards erklärtes politisches Ziel war die Verbesserung der Volksschulen.

Als Reinhards Wahlsieg bekannt wurde, sollen nach Borcherts Bericht die Schnapsflaschen der Reinhard-Wähler in der St. Marien Kirche in Boizenburg die Runde gemacht haben.

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