20 Jahre nach der Einheit: 20 Prozent weniger Geld

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12. April 2010, 07:04 Uhr

Sternberg/Parchim | Wenig Geld im Osten: Auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit sind die finanziellen Verhältnisse in alten und neuen Bundesländern gravierend unterschiedlich. Nach Informationen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin hatte jeder Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern im Vorjahr nur etwa 82 Prozent vom Bundesdurchschnitt für den Konsum zur Verfügung. Bayern (108,6) oder Hessen (107,8) liegen an der Spitze des aktuellen Kaufkraft-Vergleiches. In Zahlen: Während jeder Mecklenburger pro Jahr 15 552 Euro im Portmonee zur freien Verfügung hatte, waren es in Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen für jede Frau und jeden Mann mehr als 20 000. Nur Sachsen-Anhaltiner (15 548) können noch weniger Euro als wir ausgeben.

"Die Zahl für MV ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen", erklärte gestern Dr. Dorothee Crayen von der IHK Schwerin. Die Kaufkraft spiegele "die Summe aller Nettoeinkünfte der Bevölkerung bezogen auf den Wohnort" wider. Enthalten seien Kapitaleinkünfte, Transferleistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld und Renten. Von der erreichneten Kaufkraft-Summe seien u.a. auch Mieten, private Altersvorsorge oder Versicherungen zu bestreiten.

Die regionalen Unterschiede sind dabei in MV sehr groß. Grundtendenz: In großen Städten sitzt am meisten Geld. Spitzenreiter sind nach wie vor Landeshauptstädter: Der Kaufkraftindex für Schwerin lag laut IHK in 2009 bei 89,1 - 16 888 Euro je Einwohner. Es folgen Bad Doberan (88,3 - 16 731 Euro) und Neubrandenburg (88,1 - 16 697 Euro). Landesweites Schlusslicht ist der Landkreis Uecker-Randow (72,5 - 13 730 Euro).

Der Kreis Parchim rangiert im Kaufkraft-Vergleich im Mittelfeld: Hier hat jeder Einwohner rein rechnerisch 15 525 Euro in der Hand - Index: 81,9. Im Nachbarkreis Nordwestmecklenburg rollen im Jahr mehr Euro: 15 790 - 83,3 Prozent vom Bundesmittel. Auch von Ort zu Ort haben Menschen unterschiedlich viel, um ihr Leben zu bestreiten. So verfügten laut IHK im Vorjahr alle Einwohner von Hohen Pritz bei Sternberg nur über 56 Prozent des Geldes, das deutschlandweit ausgegeben werden konnte: 10 613 Euro je Einwohner. Schlusslicht in ganz MV. In Borkow waren es 67,6 Prozent - 12 807 Euro je Einwohner. In Tessenow 69,7 - 13 201 Euro. Überdurchschnittlich gut hatten es dagegen Einwohner von Godern, Pinnow, Raben Steinfeld und Langen Brütz im Schweriner Speckgürtel mit Werten um/über 105 Prozent. Spitzenreiter im Kreis Parchim war die Gemeinde Kobrow bei Sternberg (124,4 Prozent). Hier hatte laut IHK jeder Einwohner 23 574 Euro im Jahr zur Verfügung - mehr als das Doppelte zur unmittelbaren Nachbargemeinde Hohen Pritz. Nur Klein Upahl (Kreis Güstrow) geht es noch besser: 127,6 - 24 180 Euro. Die teilweise sehr großen Differenzen zwischen den Orten konnte Dorothee Crayen nicht ad hoc erklären.

Auch im Kreis Nordwestmecklenburg sitzt das Geld unterschiedlich locker. Warin kommt auf eine Kaufkraft von 77,5 - 14 680 Euro, Neukloster 80,6 - 15 279 Euro, Ventschow 75,0 - 14 207 Euro.

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