169 Haushalte für schnelles DSL

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28. Januar 2010, 09:05 Uhr

Berge | Die Berger haben die Nase voll. Sie wollen endlich auch in den Genuss des schnellen DSL kommen. Nicht nur Unternehmer plädieren für einen raschen Anschluss, auch die überwiegende Mehrheit der Privathaushalte spricht sich dafür aus. Das ist das eindeutige Ergebnis einer Unterschriftensammlung in der Gemeinde, zu der auch die Orte Muggerkuhl, Grenzheim und Kleeste gehören.

Martin Lilge hatte sich bereit erklärt, von Haus zu Haus zu gehen, um so der Telekom ein Ergebnis vorlegen zu können. Denn die hatte Berge erst 2009 wieder eine Absage erteilt. In einem Schreiben hieß es: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Ausbau unseres Kommunikationsnetzes in der Gemeinde Berge für 2009 auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Gesamtsituation gestoppt wurde." Als weiteren Grund nannte die Telekom die Entscheidung der Bundesnetzagentur, die Durchleitungsentgelte, die andere Mitbewerber an die Telekom zahlen, zu senken. "Dadurch entsteht uns ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe - Geld, das auch für den weiteren Ausbau in der Gemeinde Berge geplant war." Verbindliche Termine für einen weiteren Fortgang der Arbeiten wurden nicht gegeben.

Lilge und auch Berges Bürgermeister Werner Eckel hoffen, dass die nun vorliegende Unterschriftensammlung mehr Gewicht in die so genannte Abwägschale wirft. Denn immerhin "wollen 169 Haushalte in Berge und den anderen Orten schnelles DSL", fasst Lilge das Ergebnis der Unterschriftenaktion zusammen. Allein in Muggerkuhl seien es 28 von 34 Haushalten, die sich dafür ausgesprochen hätten, in Berge sind es 102 und selbst in dem kleinen Grenzheim hätten von 17 Haushalten nur zwei einen solchen Anschluss abgelehnt. Gar nicht zu reden von Unternehmen wie Salmet oder auch kleineren Geschäftsleuten, für die es einfach wirtschaftlich erforderlich ist, derart schnell per Internet kommunizieren zu können.

"Wir fühlen uns allmählich von der Politik an der Nase herum geführt. Bundeskanzlerin Merkel hat schnelles DSL innerhalb von zwei Jahren versprochen, Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck flächendeckend im Land innerhalb eines Jahres. Waren das alles nur Wahlversprechen?", fragt Lilge. "Wir sind hier doch ein zentraler Ort des Amtes Putlitz-Berge. Rings um uns herum haben alle kleinen Dörfer schon den Anschluss, nur wir nicht", drückt der Berger sein Unverständnis aus. Lilge will nicht locker lassen, im nächsten Schritt, wenn die Telekom nicht reagiert, "an die Politiker heran treten und sie an ihr Versprechen erinnern". Zunächst erst einmal, so Eckel, soll die Gemeindevertretung auf ihrer nächsten Sitzung die Amtsverwaltung beauftragen, an die Telekom heran zu treten.

Dort machte gestern der auch für Brandenburg zuständige Telekom-Sprecher Georg von Wagner auf "Prignitzer"-Nachfrage keine Hoffnungen. "Zur Zeit beabsichtigen wir nicht, das Ortsnetz Berge mit schnellem DSL auszubauen." In Berge handele es "um einen OPAL-Bereich, das heißt, dass für eine DSL-Versorgung nicht nur die derzeitige Technik in den Verteilerkästen (die grauen Kästen am Straßenrand) ausgetauscht, sondern jeder einzelne Anschluss in Berge neu gemacht werden müsste", beschreibt von Wagner den Aufwand. So seien "in erheblichem Umfang" Tiefbau-Arbeiten notwendig. "Ein Kilometer Tiefbau kostet durchschnittlich 50 000 Euro", rechnet der Telekom-Sprecher vor.

Allerdings stünde es jeder Kommune frei, "eine schnelle DSL-Versorgung öffentlich auszuschreiben", merkt von Wagner an und verweist in diesem Zusammenhang auch auf die EU-Fördermittel. "Die neue GAK-Richtlinie sieht vor, dass Einzelprojekte bis zu 500 000 Euro zu 90 Prozent mitfinanziert werden", informiert der Telekom-Sprecher.

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