160 000 Euro für "Die Grenze"

Als kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern der Bürgerkrieg zwischen Rechtsextremen und Linksextremen ausbricht, zieht der ehemalige NVA-Fallschirmjäger Erich Manz (Uwe Kockisch, M.) seine alte Uniform an.Sat.1
Als kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern der Bürgerkrieg zwischen Rechtsextremen und Linksextremen ausbricht, zieht der ehemalige NVA-Fallschirmjäger Erich Manz (Uwe Kockisch, M.) seine alte Uniform an.Sat.1

von
22. März 2010, 10:56 Uhr

Schwerin | Erneut ist ein heftiger Streit um die Filmförderung des Wirtschaftsministeriums entbrannt. Grund ist der Zweiteiler "Die Grenze", der am 15. und 16. März auf Sat.1 ausgestrahlt wird. Im Film versinkt Mecklenburg-Vorpommern in Gewalt und Chaos. In der fiktiven Handlung betreibt die Neue Linke die Abspaltung des Bundeslandes von der Bundesrepublik. Dafür holen Mecklenburger und Vorpommern ihre alten NVA-Uniformen aus den Kleiderschränken, um die innerdeutsche Grenze wieder dicht zu machen. Links- und Rechtsextremisten beherrschen die Szenerie.

Der Privatsender nennt seinen Streifen "Großer Sat.1-Event-Zweiteiler" und das Schweriner Wirtschaftsministerium gibt 160 000 Euro an wirtschaftlicher Filmförderung hinzu, wie Ministeriumssprecher Gunnar Bauer bestätigte. Der Förderbescheid wurde Ende vergangenen Jahres übergeben.

13 Tage hatte die Produktionsfirma in Stralsund und Warnemünde gedreht. Die Produktionskosten für diese Drehtage betrugen 340 000 Euro.

Die SPD-Landtagsfraktion ist empört. "Der SAT 1-Zweiteiler ist nach meinen bisherigen Informationen alles andere als positive Imagewerbung für unser Land", sagte Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery gegenüber unserer Redaktion. Auf Touristen wie auch Investoren würden "die Botschaften dieses Films eher abschreckend wirken". Die Mittel für wirtschaftliche Filmförderung seien aber dazu gedacht, die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu unterstützen. "Vollkommen unverständlich ist deshalb für mich, wieso das Wirtschaftsministerium diesen Film auch noch mit Mitteln in Höhe von 160 000 Euro unterstützt hat", kritisierte der SPD-Politiker.

Auch die Linke im Landtag übt scharfe Kritik. "Was ich aus Beschreibungen und Vorschauen über den Film erfahren habe, stößt mir ziemlich sauer auf, weil die Ähnlichkeiten der im Film dargestellten so genannten Neuen Linken mit Namen und Symbolik an die tatsächliche Linke erinnert", sagte Peter Ritter. Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion weiter: "Es wäre interessant zu erfahren, ob der Wirtschaftsminister und das Vergabegremium von der Zielrichtung des Films unterrichtet waren, bevor sie der Produktion eine derart hohe Förderung zukommen ließen."

Hauptaussage des Films sei, dass Extremismus eine existenzielle Gefahr für die Zivilgesellschaft ist, sagte Gunnar Bauer vom Wirtschaftsministerium. Die Entscheidung für die Förderung in dieser Höhe sei im Fachbeirat, in dem unter anderen auch der NDR vertreten ist, einstimmig gefallen. Der Sprecher verwies darauf, dass es dem Ministerium vor allem auch um die wirtschaftlichen Effekte für den Filmproduktions-Standort Mecklenburg-Vorpommern gehe. Bereits im Januar dieses Jahres war über die wirtschaftliche Filmförderung bei einer Anhörung im Bildungsausschuss des Landtags gestritten worden. Vertreter der heimischen Filmbranche hatten kritisiert, dass Millionen-Produktionen wie der "Ghostwriter" von Roman Polanski vom Land gefördert werden, lokale Akteure dagegen kaum profitieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen