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Hochspannungsleitung zwischen Wismar und Güstrow : 100 Mann rekonstruieren 184 Masten

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Zwischen Wismar und Güstrow wird die 110-kV-Leitung erneuert. Ein Mammut-Projekt, das 20 Millionen Euro verschlingt. Wegen des Wetters müssen die Ingenieure und Bauarbeiter jetzt mit vereinten Kräften ranklotzen.

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erstellt am 29.Jan.2011 | 04:04 Uhr

bützow | Das Wetter hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, sie sind im Verzug. Jetzt müssen die Ingenieure und Bauarbeiter mit vereinten Kräften ranklotzen. "Wir werden wohl einige Wochenendschichten einlegen, um die Verzögerung wieder aufzuholen", sagt Projektleiter Enrico Böckmann und reibt sich die kalten Hände. Zwischen Wismar und Güstrow wird die 110-kV-Leitung erneuert. Ein Mammut-Projekt, das 20 Millionen Euro verschlingt.

Rekonstruktion von 184 Masten

Der Ingenieur für Hochspannungsleitungen läuft über das Feld bei Langen Trechow, bleibt stehen und prüft mit dem klobigen Arbeitsschuh den Boden, der vor einigen Tagen noch einer Sumpflandschaft glich. Zeitaufwendiger Wegebau war nötig, um die Baufahrzeuge und nötigen Materialen überhaupt zu den einzelnen Masten zu dirigieren. Abgesehen davon war die Arbeit im Matsch für die Kollegen äußerst unangenehm, so Böckmann. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. "Der Frost ist gut", sagt er und bleibt auf einer Betonplatte mit Stahlgeflecht stehen, einer "Gründung", wie der Ingenieur erklärt. Die Fußstühle für den Hochspannungsmast sind bereits eingelassen. In 600 Meter Entfernung treibt eine Ramme Rohre 13 Meter tief in den Boden. Die Standsicherheit des monströsen Geräts sei bei Frost besser, erklärt Böckmann. 60 Zentimeter gefrorene Bodenschicht sind für die Ramme keine Problem. Das rhythmische "plock-plock" schallt über das Feld. Auf der Hochspannungs-Trasse kommt auch die so genannte "Rammrohrgründung" zum Einsatz. "Die Gründungsart hängt von den Bodenverhältnissen ab", erklärt der Ingenieur. Mal wird für das Fundament gerammt, mal betoniert. 184 Masten werden insgesamt erneuert, im Abstand von 300 Metern. Die alten Leitungen könnte man schon als historisch bezeichnen.

Der Abschnitt Bützow-Wismar ist von 1937, der zwischen Güstrow und Bützow von 1961. "Das wurde höchste Zeit", sagt Böckmann. Die Leitung wird frisiert, also leistungsstärker gemacht, der erhöhte Energiebedarf der Verbraucher verlangt danach. "Außerdem sollen auch die regenerativen Energien ans Netz geschlossen werden", nennt Böckmann einen weiteren Grund für die Rekonstruktion der Leitung. Das Projekt wird in fünf Bauabschnitten umgesetzt. Über 32 Kilometer verläuft die Trasse von Wismar bis zum Umspannwerk Langen Trechow, über 1,7 Kilometer bis zur Abzweigung nach Bützow. Im Sommer sollen die Arbeiten beendet sein, die Abschnitte drei bis fünf werden erst 2012 in Angriff genommen. Das Prozedere der Rekonstruktion ist bei allen Masten gleich: "Wir demontieren die Leitungen und die Masten, ersetzen sie durch neue Fundamente und Masten", so der Ingenieur. Ein Projekt, das sorgfältig geplant werden muss. Die Aufteilung in einzelne Bauabschnitte ist nötig, damit die Stromversorgung nicht abbricht, wie Böckmann erläutert.

Ökologische Baubegleitung schützt Natur und Tiere

Derzeit werkeln acht bis zehn Kolonnen mit insgesamt 100 Mann auf der Strecke. Heiko Burghardt ist einer von ihnen. Der Kraftfahrer sorgt dafür, dass das Schalungsmaterial für die Betongründungen zur nächsten Mastbaustelle gelangt. Dafür muss er seinen LKW mit Lastkran immer wieder über Holzplanken oder Aluplatten lenken, die zum Schutz des Bodens ausgelegt wurden. "Wir wollen den Flurschaden möglichst gering halten", erläutert Michael Weise, Bauleiter Tiefbau. Das sei die große Herausforderung bei dem Hochspannungs-Projekt. Die Trasse verläuft durch Naturschutzgebiete, da ist Sensibilität und Rücksichtnahme auf Wald, Flur und Getier gefragt. "Eine ökologische Baubegleitung achtet darauf, dass die Eingriffe in die Natur im Zuge der Baumaßnahmen möglichst minimal gehalten werden", erklärt Böckmann. Im Sommer beispielsweise müssten die Vogelbrutpausen eingehalten werden. Und bevor es an Baumschnitte geht, werde beispielsweise überprüft, ob sich dort nicht schon Fledermäuse, die unter Naturschutz stehen, häuslich eingerichtet haben.

Böckmann zückt den Bauplan und breitet ihn auf der Motorhaube auf. Besprechung mit Michael Weise, vor dem Wochenende wollen sie noch möglichst weit mit den Bauarbeiten kommen. Burghardt rumpelt mit seinem Lastkranwagen auf den Holzplanken vorbei, Böckmann und Weise klemmen sich ebenfalls hinters Lenkrad und rumpeln hinterher. Solange die Piepmätze noch nicht brüten, müssen sie sich ranhalten.

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