100 Anzeigen wegen Tier-Misshandlung

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01. Februar 2010, 09:47 Uhr

Güstrow | Falsch verstandene Tierliebe mit Folgen: Tiermessies sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Behörden sind zum Teil die Hände gebunden. Im Veterinäramt des Landkreises Güstrow sind derzeit zwei Fälle von "Tiersammlern" bekannt. "Die Wegnahme aller Tiere ist oft sinnlos, die Rückfallquote liegt bei fast 100 Prozent", sagt Landkreissprecherin Dr. Petra Zühlsdorf-Böhm.

Der Landes-Tierschutzverband fordert deshalb schärfere Strafen. Tierhalte-Verbote seien eine Lösung. "Das Problem ist, dass kein Richter in MV sich der Sache wirklich annimmt", sagt Dietmar Bonny, Vorsitzender des Landesverbandes. Tiere seien zwar in der Verfassung geschützt, "aber es wird zu wenig rechtlich dagegen vorgegangen", sagt Bonny. So kämpften auch die Veterinär-Ämter manchmal gegen Windmühlen. "Wir hatten sogar mal einen Fall, da hat der Tierhalter geklagt. Der Landkreis musste dann die Verfahrenskosten tragen", erzählt Dietmar Bonny. Die Behörden erteilen Auflagen, aber es sei zu wenig Personal vorhanden, um diese auch zu kontrollieren, so Bonny.

Darüber hinaus haben Amtstierärzte die Möglichkeit, Verwarnungen auszusprechen, Bußgelder und Verfügungen zu verhängen bis hin zur Wegnahme von Tieren. Die Veterinärmediziner im Kkreis Güstrow drängen Messies oft auf die Abgabe einzelner Tiere, "um die Bestandsgröße zu minimieren", sagt Petra Zühlsdorf-Böhm. "Mitbürger sollten diesen Menschen keine weiteren Tiere überlassen." Dietmar Bonny: "Tiermessies denken, sie tun auch noch etwas Gutes, aber die Pflege wächst ihnen über den Kopf. Die Tiere leiden." Viele Fälle hat der oberste Tierschützer des Landes schon erlebt - mit 20 bis 30 Hunden oder Katzen in einem Haus, aktuell beschäftigt er sich mit einem Fall im Raum Gadebusch.

Trauriger Rekord war das Hundedrama von Liebenwalde 2006. Von einem Hof an der mecklenburgisch-brandenburgischen Landesgrenze holten Tierschützer 250 kranke Hunde.

Mit den beiden bekannten Tiermessies im Kreis Güs trow stehen die Amtsärzte regelmäßig in Kontakt. Da rüber hinaus gingen sie im vergangenen Jahr 112 Anzeigen wegen Tiermisshandlung nach, 65 davon betrafen Hundehaltungen. "Häufigste Sorge ist, dass die Tiere zu wenig Auslauf und zu wenig Sozialkontakte haben", berichtet die Kreissprecherin. In 80 Prozent der Fälle würden keine oder geringe Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt. Auffällig sei, dass der Missbrauch anonymer Anzeigen im Nachbarschaftsstreit zunehme.

Die Anzeigen auf Tiermisshandlung im Kreis Güstrow betreffen alle Arten - von der Biene über den Wellensittich bis zum Pferd. Traurige Höhepunkte 2009: Einem Hobbyhalter wurde eine Rinderherde weggenommen. Die Tiere bekamen nicht ausreichend Futter und Wasser.

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