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LEBE!MANN Einmal wie Robin Hood fühlen

Von Elke Furmanski | 22.09.2022, 00:05 Uhr

Anlegen, zielen, tief durchatmen, loslassen. Klingt total einfach, sieht es vor allem in Filmen auch aus. Dass zum Bogenschießen aber viel mehr gehört, als einfach nur ein bisschen Kraft in den Fingern und ein wenig Treffsicherheit, durften wir für den LEBE!MANN ausprobieren.

Hobbys, und mögen sie noch so seltsam sein, ausprobieren, ist immer wieder spannend. Zugegeben, Bogenschießen ist nicht unbedingt sehr seltsam, aber schon eher seltener ausgeübt als Fußball oder Lesen. Aber gerade das macht es doch auch irgendwie wieder interessant. Wir treffen uns mit Jens. Er ist Mitglied in der Schweriner Schützenzunft von 1640 e.V. und hat sich bereit erklärt, uns an diesem Nachmittag einmal zu zeigen, dass es nicht ganz so simpel ist, wie es oft aussieht. Er selbst ist seit über 20 Jahren dem Sport verfallen und weiß, was er uns als Anfängern zutrauen kann.

Zunächst muss der Bogen aber erst einmal zusammengebaut werden.
Ja, auch für uns eine Überraschung. Nicht nur, dass Bögen zusammengebaut werden müssen, sondern auch, wie groß das ganze Konstrukt am Ende ist. Wir dürfen uns mit einem Recurvebogen ausprobieren. Die Größe wird hier durch die eigene Körpergröße bestimmt. Kaum ist die Sehne gespannt, kann es auch schon losgehen für uns. Wir üben auf dem Platz zum 3D-Schießen. Bedeutet, dass überall auf dem Areal Figuren und Nachbildungen verteilt sind, die man versuchen kann, zu treffen.

Extra für uns wurde aber auch eine klassische Zielscheibe, wie wir sie kennen, aufgestellt. Damit sollen wir auch unsere Versuche machen. Gerade hinstellen, die Füße schulterbreit auseinander, anlegen und dabei den linken Arm durchstrecken. Zwei Finger breit unter dem Nockpunkt, einem kleinen Metallring an der Mitte der Sehne, anfassen, Sehne spannen und dabei an den Mundwinkel führen. Ungewohnt, aber so sieht man ziemlich genau, wo der Schuss landet. Loslassen. Unsere ersten Versuche sehen auch gar nicht schlecht aus. Komplett daneben landet keiner und ein paar Pfeile kratzen auch schon an der Mitte. Kaum haben wir ein Gefühl für den Bogen, beginnt Jens, unsere Haltung minimal zu korrigieren und zack. Ein Pfeil nach dem anderen findet seinen Weg in die mittleren Kreise. Passt etwa eine Hand ausgestreckt dazwischen, ist das Ergebnis gut. Nach einigen Versuchen merken wir dann die Anstrengung. Der Arm zittert ein wenig beim Zielen, aber nach einmal tief durchatmen geht auch das wieder. „Ich habe hier schon muskelbepackte Männer gesehen, die nach wenigen Schüssen gezittert haben vor Anstrengung“, erzählt er. Er erklärt, dass wir mit jedem Schuss etwa 7 Kilo ziehen. Am Ende des Abends sollen wir zusammengerechnet etwas über 500kg gezogen haben. Die eigenen Fortschritte zu beobachten ist spannend.

Nach den ersten drei Durchläufen verlieren wir jegliche Nervosität, werden sehr viel ruhiger. Das sieht man auch an den Treffern. Der Kopf ist wie leer gefegt, obwohl man sich so sehr konzentriert. Die Grundtechniken klappen fast von allein, nur hier und da gibt es noch Tipps. Natürlich ist nicht jeder Schuss ein Treffer, vor allem als wir beginnen, unsere imaginären Prinzen vor Drachen und Aliens zu verteidigen. Dabei haben wir so viel Spaß, diese Techniken zu üben, jedes Mal einen kurzen Glücksmoment zu haben, wenn man die Mitte des Ziels tri° t. Wir lernen, dass es sich hier wirklich um einen Sport handelt. Ein Sport, der den Körper und den Geist fordert, der einen zwingt, Techniken zu beherrschen, denn der Bogen zeigt einem jeden Fehler.

Vielen Dank an die Schweriner Schützenzunft von 1640 e.V. für die Einladung!