Nach Einnahme von Ramadi : Iran sichert Irak Hilfe gegen IS-Vormarsch zu

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Am Wochenende hat der Islamische Staat eine weitere Stadt im Westirak überrannt. Der Iran ist „zu jeder Hilfe“ im Kampf gegen die Terrormiliz bereit.

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erstellt am 20.Mai.2015 | 11:48 Uhr

Teheran/Bagdad | Der Iran hat sich „zu jeder Hilfe“ bereiterklärt, um den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westirak zu stoppen. Dies sei auch der Grund für die Reise des iranischen Verteidigungsministers Hussein Dehghan nach Bagdad zu Verhandlungen mit seinem irakischen Amtskollegen, sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Mittwoch. Ob der Iran auch an Militäreinsätzen gegen den IS in der westirakischen Provinzhauptstadt Ramadi teilnehmen werde, wollte sie auf ihrer Pressekonferenz nicht sagen.

Die rund 110 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt der Provinz Anbar war am Wochenende durch die Extremisten eingenommen worden. Damit beherrschen sie die Provinz fast vollständig. Die Armee kontrolliert nur noch einige Orte und Militärstützpunkte. Al-Anbar war nach dem Sturz Saddam Husseins Zentrum des sunnitischen Widerstands gegen die US-Truppen. Iraks Regierung beschloss am Dienstag zugleich nach eigenen Angaben, neue Kräfte für die Rückeroberung Ramadis zu rekrutieren.


Der Iran hat bisher nur bestätigt, mit Militärberatung die Bekämpfung des IS zu unterstützen. Eine weitergehende direkte Zusammenarbeit mit den irakischen Streitkräften und den kurdischen Peschmergas gilt aber als offenes Geheimnis, zumal die sunnitischen IS-Extremisten auch für den schiitischen Iran eine Gefahr darstellen. Zu einer Zusammenarbeit mit den USA gegen den IS soll Teheran aber erst bereit sein, wenn Washington das für Ende Juni geplante Abkommen über das iranische Atomprogramm billigt.

Der weitere Vormarsch des IS hat im Westirak hat unterdessen eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst. Nach der Einnahme von Ramadi flohen nach UN-Angaben knapp 40.000 Menschen aus der Region. Die meisten von ihnen versuchten, in die Hauptstadt Bagdad zu gelangen, teilte die Regionalstelle des UN-Nothilfebüros (Ocha) im Irak mit.

Drei Kinder und zwei Frauen sind auf der Flucht gestorben, weil sie eine von der Armee gesperrte Brücke Richtung Bagdad nicht überqueren konnten. Augenzeugen berichteten am Mittwoch, die Opfer seien am Vortag wegen der großen Hitze und fehlender medizinischer Versorgung ums Leben gekommen.

An der Euphrat-Brücke Bsebis westlich von Bagdad sitzen nach Angaben des Rates der Provinz Al-Anbar seit Freitag mehrere Tausend Flüchtlinge fest. Das Militär hat den Übergang gesperrt, weil es befürchtet, dass mit den Flüchtlingen heimlich IS-Kämpfer in die Hauptstadt gelangen könnten.

Flüchtlinge berichteten, sie müssten seit Tagen auf der nackten Erde übernachten. Einige warfen Armeeoffizieren vor, von diesen als „Terroristen“ beschimpft und geschlagen worden zu sein. Die Regierung  hatte am Dienstag erklärt, sie wolle die Brücke für die Flüchtlinge öffnen. Der IS hatte am Wochenende die Provinzhauptstadt Ramadi vollständig unter Kontrolle gebracht.

„Die Flüchtlinge sind in großen Schwierigkeiten, und wir müssen alles Menschenmögliche tun, um ihnen zu helfen“, sagte UN-Hilfskoordinatorin Lise Grande. Tausende Menschen müssten unter freiem Himmel übernachten. Wie das UN-Büro weiter mitteilte, sollten in einem ersten Schritt Tausende Notrationen mit Trinkwasser und Hygieneartikeln zu den Flüchtlingen gebracht werden.

Der IS-Vormarsch im Irak hatte schon mehrfach Flüchtlingswellen ausgelöst. Im vergangenen Jahr flohen im Norden des Landes Zehntausende Menschen, nachdem die Extremisten das Sindschar-Gebirge eingenommen hatten. Bei den Flüchtlingen handelte es sich vor allem um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.

Iraks Kabinett segnete auch den Einsatz schiitischer Milizen ab, die das Militär bei der geplanten Gegenoffensive in Ramadi unterstützen sollen. Bereits am Montag waren rund 3000 Kämpfer der bewaffneten Gruppen auf einem Militärstützpunkt östlich von Ramadi eingetroffen.

Die Beteiligung der Milizen ist umstritten, da in der westirakischen Provinz Al-Anbar vor allem Sunniten leben. In der Vergangenheit hatte es häufiger Berichte über Übergriffe von Schiiten auf Sunniten gegeben, nachdem schiitische Milizen den IS aus einigen irakischen Regionen verdrängt hatten. Kritiker befürchten, durch den Einsatz der eng mit dem ebenfalls schiitischen Iran verbundenen Milizen könnte Teheran seinen Einfluss im Irak ausbauen.

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