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23. Oktober 2017 | 10:18 Uhr

Zwischen Hype und Hollywood

vom

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2012 | 08:03 Uhr

Wer Sintfluten oder einen Meteoriten-Regen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Obwohl eigentlich jeder wissen konnte, dass die Ängste Quatsch waren: Fast niemand kam um den Weltuntergangs-Hype herum. Bei Facebook oder Twitter kursierten Witze, in den Medien gab es viele – meist ironische – Artikel und Beiträge.

Zukunftsforscher Matthias Horx sagte, dass Apokalypse-Fantasien schon immer zur menschlichen Kultur gehörten. Die meisten Religionen kämen ohne eine Vorstellung vom Ende der Welt nicht aus. Untergangs-Szenarien hätten dabei mental-taktische Aspekte: die Disziplinierung („Mit Weltuntergangs-Behauptungen kann man Herrschaft ausüben“), die Elitebildung („Apokalypsen sind oft mit einem engen Zirkel von “Erleuchteten„ verbunden“) und drittens die Funktion als „Lebens-Verstärker“: In den Apokalypse-Filmen könne man reihenweise erleben, wie sich Familien wiederfinden oder versöhnen. „Im Untergang werden wir alle gleich und fallen uns in die Arme (...).“

Apropos Film: Das Werk „2012“ von Roland Emmerich aus dem Jahr 2009 hat der Astronom und Wissenschaftsautor Florian Freistetter als Ursache des Spektakels ausgemacht: „Der angebliche Untergang war so lange kein Thema in der breiten Öffentlichkeit, bis ein Hollywood-Regisseur einen großen Film gedreht hat.

Der Freiburger Sozialwissenschaftler Stephan Marks sagt, dass die heute oft übertriebene Beschäftigung mit Nichtigkeiten eine Art Ersatzhandlung sei – in einer Zeit, in der uns alle tagtäglich Krisen- und Katastrophenmeldungen aus der ganzen Welt überforderten. „Die vielen Informationen sind mit Emotionen wie Angst, Ohnmacht, Verzweiflung, Scham oder Schuldgefühlen verbunden, mit denen die wenigsten Menschen gelernt haben, umzugehen; daher werden diese verleugnet“, erklärt Sozialwissenschaftler Marks. „Die Diskrepanz zwischen Kognition und Emotion wird immer unerträglicher, bis sich die angestauten Emotionen auf ein symbolträchtiges Ereignis fokussieren.“ Das könne dann sogar der kleine Eisbär Knut sein. Oder der Maya-Kalender.

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