Zweifel an Sicherheit

Die  Fermenter der Güstrower Anlage erzeugen 46 Millionen Kubikmeter  Biomethan pro Jahr, so dass mit der Energiemenge der gesamte Energiebedarf von mehr als  50 000 Haushalten gedeckt werden kann. Archiv
Die Fermenter der Güstrower Anlage erzeugen 46 Millionen Kubikmeter Biomethan pro Jahr, so dass mit der Energiemenge der gesamte Energiebedarf von mehr als 50 000 Haushalten gedeckt werden kann. Archiv

von
07. Februar 2008, 08:28 Uhr

Güstrow - Kommt der heiß umstrittene Bioenergiepark im Norden Güstrows oder nicht? Jetzt tritt das Genehmigungsverfahren in die entscheidende Phase. Während der Investor und die Stadt keinerlei Probleme sehen, versuchen Bürger das Großprojekt noch in letzter Minute zu stoppen.

Erörterungstermin zum Projekt am 14. Februar
Die Gelegenheit dazu will die Bürgerinitiative Suckow/Strenz, Hauptgegner des Bioenergieparks, am 14. Februar nutzen. Da hat das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Rostock (StAUN) um 10 Uhr einen öffentlichen Erörterungstermin im Güstrower Rathaus angesetzt. Hier kommen alle Einwände gegen die geplante Biogasanlage der Nawaro Bioenergie AG auf den Tisch, die bis zum Ende der Einwendungsfrist am 19. Dezember 2007 beim StAUN eingegangen sind. Und das sind nicht wenige. Insgesamt 62 Einwendungen vor allem in Bezug auf die Anlagensicherheit hat StAUN-Leiter Hans-Joachim Meier gezählt.

„Der 14. Februar ist ein wichtiger Termin in der Genehmigungskette“, unterstreicht er. „Hier soll über das Für und Wider des Vorhabens beraten und informiert werden.“ Noch ist das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz für den Güstrower Bioenergiepark nicht abgeschlossen. Die von Nawaro eingereichten Unterlagen werden noch im StAUN geprüft. Meier ist über die hohe Zahl der Einwände nicht überrascht, da er die Vorgeschichte kennt. Gleich nach Bekanntwerden des Großprojektes vor knapp drei Jahren bildete sich eine Initiative von Bürgern aus Suckow und Strenz, die in unmittelbarer Nähe der geplanten Anlage wohnen. Sie läuft seitdem Sturm gegen die befürchtete Geruchs- und Lärmbelästigung und hat auch jetzt einen Großteil der Einwendungen beigesteuert.

Unvollständige Antragsunterlagen?
„Die vorliegenden Antragsunterlagen von Nawaro reichen nicht aus, um eine Genehmigung zu erteilen“, ist Steffen Peters, Güstrower Rechtsanwalt und Sprecher der Bürgerinitiative, überzeugt. Er akzeptiert die Aussage von Güstrows Bürgermeisters Arne Schuldt nicht, der behauptet hatte, es würde keine Sicherheitsprobleme in der Anlage geben. Nach Peters habe der Investor wichtige Havarieszenarien nicht ausreichend beachtet. „Was passiert denn, wenn Fermenter oder Folien in der Anlage brennen? Dann entstehen für Menschen giftige Stoffe“, glaubt Peters zu wissen. „Man muss sich Sorgen machen, wenn man in der Nähe dieser Anlage wohnt.“ Wegen der seiner Meinung nach unvollständigen Antragsunterlagen für das Großprojekt sei es auch rechtlich angreifbar.

Falls fundierte Bedenken vorgebracht würden, sei es tatsächlich möglich, dass neue Gutachten erstellt werden müssten, die den Baubeginn des Bioenergieparks noch weiter verzögern könnten, räumt auch StAUN-Leiter Meier ein. „Wenn bei Einwendungen auf Fehler und Mängel der Anlage hingewiesen wird oder völlig neue Sachverhalte auftauchen, kann das Bauvorhaben noch gestoppt werden“, sagt er.

Stopp unwahrscheinlich
Doch damit rechnet Meier nicht. Er will das Genehmigungsverfahren in seiner Behörde „zügig behandeln“, wie er sagt und hofft, dass in spätestens zwei Monaten alles über die Bühne ist.

Unterdessen bereitet die Nawaro AG an der Landesstraße 142 nach Strenz im Norden Güstrows schon den Bauplatz für den großen Bioenergiepark vor. Noch dieses Jahr will Nawaro-Vorstand Felix Hess die Anlage, die technologisch einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern ist, in Betrieb nehmen. Er rechnet mit der endgültigen Genehmigung vom StAUN Anfang März.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen