Zweifel am Hafenprojekt

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11. November 2009, 11:36 Uhr

Wittenberge | Am 4. Dezember soll das erste Schiff am Wittenberger Anleger in Süd festmachen, um Biodiesel zu tanken, so der Geschäftsführer der Hafenbe treibergesellschaft Dr. Eckhardt Stübner. Ein Aufbruchsignal für die Hafenverfechter. Skepsis hingegen kommt von elbaufwärts: Karl-Heinz Ehrhardt, Geschäftsführer des Magdeburger Elbhafens und Vorsteher des Arbeitskreises Binnenschifffahrt, spricht von einem schwierigen Umfeld für einen erfolgreichen Hafenstart in Wittenberge.

"Unser Arbeitskreis soll prüfen, ob und in wieweit der Anteil des Binnenschiffs- am Hinterlandverkehr von derzeit zwei auf fünf bis sechs Prozent gesteigert werden kann", erläutert Ehrhardt. Wenn Wittenberge mit seinem neuen Hafen vom Containerumschlag in Hamburg und vom Hinterlandverkehr profitieren wolle, stehen die Zeichen zur Zeit nicht günstig, ist er überzeugt.

Auf Nachfrage, ob diese Aussage etwas damit zu tun hat, dass Magdeburg und Wittenberge als Häfen auch Konkurrenten werden könnten, verneinte Ehrhardt energisch. Man müsse einfach der Realität ins Auge sehen: Seit August 2008 gebe es im Gegensatz zu 2007 laut Ehrhardt am Hamburger Hafen wieder Containerumschlags flächen in Massen. Das sei eine Auswirkung der Wirtschaftskrise. "Der Zwang zur Verlagerung ins Hinterland ist nicht mehr gegeben."

Ehrhardt rechnet damit, "dass wir erst in vier bis sechs Jahren das Umschlagsniveau von vor 2008 erreichen". Dann könne eventuell auch Wittenberge davon profitieren.

Derzeit aber hätten die Hamburger Hafenbetreiber keinerlei Interesse daran, teure Umrüstungen für den Binnenhinterlandverkehr vor zunehmen, wenn am Ort genügend Fläche zur Verfügung stehen und Lkw zu Niedrigpreisen Container trans porte abwickeln.

In Wittenberge bleibt man optimistisch. Der Rückbau der Hafenbrücke über die Stepenitz schreite voran. Ab dem 30. November solle die Schiffbarkeit gewährleistet sein. "Mit dem Beladen des ersten Tankschiffes setzen wir das Zeichen für den beginnenden Hafenbetrieb an diesem Standort", unterstreicht Eckhardt Stübner.

Der Anleger, an dem die Schiffe festmachen, ist vor wenigen Tagen von Fachleuten abgenommen worden. Die Pipeline, über die Biodiesel vom Unternehmen auf der Hafenspitze zum Tankschiff gelangt, wird dieser Tage fertig. "Wir sind mit dem Fortschritt zufrieden", sagt der Geschäftsführer.

Das Hauptziel, noch in diesem Jahr mit Verladungen zu beginnen, sei geschafft, auch wenn die zwischenzeitlich verfolgte Idee, bereits im Oktober am Anleger ein Schiff zu betanken, nicht aufging. Intensiv sei seine Gesellschaft derzeit damit befasst, Kunden zu akquirieren. "Wir wollen den entstehenden Containeranleger schnellstmöglich in Gang bringen, um mitmischen zu können, wenn das Hafengeschäft in Hamburg wieder anzieht", unterstreicht Stübner.

Dass der hiesige Standort zukunftsfähig ist und ein Rundum-Paket bietet, davon seien sie überzeugt, sagten er und Heinrich Ahlers, Hafenexperte und als Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens Buss Ports ebenfalls in der Betreibergesellschaft vertreten. Gelegen zwischen den Metropolen Hamburg und Berlin, mit einem Einzugsgebiet von zirka 10 Millionen Einwohnern, ein trimodaler Verkehrsanschluss und ein großes Flächenpotenzial für Gewerbe- und Industrieansiedlungen gebe es Zukunftspotenzial.

Wenn es um die Bedeutung des neu entstehenden Hafens in der Elbestadt geht, dann haben die Stadtväter allerdings nicht ausschließlich auf das Hamburger Umschlagspotenzial gesetzt. Der Hafen bedeute, das unterstreichen die Mitgliedskommunen im regionalen Wachstumskern immer wieder mit Nachdruck, auch die Sicherung von Unternehmen und damit von Arbeitsplätzen hier in der Region.

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