Interview : Zusammenarbeit soll gestört werden

Rolf Tophoven
Rolf Tophoven

Die deutschen diplomatischen Vertretungen in der Türkei sind wegen konkreter Terrorgefahr geschlossen worden. Mit Rolf Tophoven, Terrorexperte und Direktor des Instituts für Krisenprävention, sprach unser Korrespondent Andrea Herholz über die Terrorwarnungen.

svz.de von
17. März 2016, 21:00 Uhr


Welchen Hintergrund hat diese Bedrohung?
Tophoven: Die Drohungen und die notwendige Schließung der deutschen Vertretungen stehen wohl in sehr konkretem Zusammenhang mit der Regierungserklärung der Kanzlerin und ihrem großen Lob für die Leistungen der türkischen Regierung in der Flüchtlingskrise. Angesichts des wieder aufflammenden Kurdenkonfliktes, der Einstellung der Friedensgespräche durch die türkische Regierung und der massiven Bombardierung von kurdischen Dörfern durch das türkische Militär wachsen jetzt wieder die Bedrohung und die Gefahr von Anschlägen. Der bisherige Höhepunkt war der terroristische Anschlag der Türkischen Freiheitsfalken, einer PKK-Abspaltung, mit 35 Opfern in Istanbul. Das sind Reaktionen auf das Vorgehen der türkischen Regierung gegen die PKK, aber auch gegen die IS-Miliz. Wer auch immer hinter diesen Drohungen steckt, will diese Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der Türkei und Brüssel stören.
Richtet sich die Gewalt auch gegen Präsident Erdogan?
Ja, hier sollen auch Erdogan und seine autoritäre Herrschaft getroffen werden. Wenn jetzt auch verstärkt deutsche Touristen ins Visier geraten, sorgt das natürlich für große Unsicherheit, schadet dem Tourismus und der türkischen Wirtschaft. Der Terrorismus in der Türkei, vor allem in den großen Städten dort, wird weiter eskalieren.
Welche Auswirkungen könnte die Einführung der Visafreiheit für türkische Staatsbürger für die Sicherheit haben?
Die Folgen von einer möglichen Visafreiheit und größeren Reisebewegungen lassen sich noch nicht genau abschätzen. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass sich der Kurdenkonflikt auch in Deutschland wieder zuspitzen und es wie in der Vergangenheit Gewalt auch auf deutschen Straßen geben wird. Von kurdischer Seite wird durchaus honoriert, dass die Bundeswehr die Peschmerga-Milizen im Kampf gegen IS unterstützt. Das wird von den Kurden hierzulande anerkannt.

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