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21. November 2017 | 01:59 Uhr

Zurück in die Vergangenheit

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2012 | 10:46 Uhr

Noch nie hat ein über 9005 Kilometer entferntes Ereignis die deutsche Innenpolitik so entscheidend verändert, wie die Atomkatastrophe von Fukushima. In kürzester Zeit vollzog Angela Merkel die Rückwende von ihrer ursprünglichen Nuklearhinwende, die Energieindustrie erlebte einen völligen Umbruch der politischen Strategie und mehrere Wahlen wurden entscheidend durch den Super-GAU in Asien beeinflusst. Zehntausende gingen auf die Straße, das kollektive Bewusstsein in Deutschland schien sich von einem auf den anderen Tag völlig geändert zu haben. Atomenergie war nicht mehr gesellschaftsfähig. Zum Glück. Fukushima rüttelte auf, denn im Gegensatz zur Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 galten die japanischen Kraftwerke als technisch sicher. Bis der Tsunami wieder einmal zeigte, dass wir Menschen versuchen sollten, mit der Natur im Einklang zu leben, wir sie aber nie beherrschen werden. Inzwischen ist ein Jahr vergangen. Und was ist geblieben? Die deutschen Atomkraftwerke sind abgeschaltet oder laufen aus. Aber sonst? Die Energiewende entscheidet sich im Heizungskeller, im Elektromarkt und beim Autohändler genauso wie beim Bau neuer Gaskraftwerke, Stromspeicher und Hochsee-Windparks. Und da hinkt die Koalition ihren Vorhaben weit hinterher. Die Solarförderung wird mit Hinweis auf angeblich zweistellige Renditen der Sonnenfirmen gekürzt, der Bau neuer Stromtrassen stockt - und gerade dies wirft Mecklenburg-Vorpommern als Land der erneuerbaren Energien immer wieder Knüppel zwischen die Beine. Dazu ist die Atomkraft in weiten Teilen Europas nach kurzer Schamfrist auf dem Vormarsch. Etliche osteuropäische Regierungen blicken hoffnungsvoll auf diese tödliche Technologie: Tschechien, die Slowakei, Rumänien und andere Länder setzen auf einen Ausbau. Finnland und Frankreich bauen neue Reaktoren, Großbritannien hat zusätzliche Meiler in Planung. Europa ist auf dem Weg zurück aus der Zukunft, hin zum Anfang des Atomzeitalters. Doch diesen Holzweg darf Deutschland unter der überzeugten Europäerin Angela Merkel nicht mitgehen. Ganz im Gegenteil.

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