Zumwinkel zurückgetreten, Post mit Problemen

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15. Februar 2008, 02:11 Uhr

Bonn - Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel wird sein Amt „im Interesse des Unternehmens“ zur nächsten Aufsichtsratssitzung niederlegen. Das bestätigte die Deutsche Post am Freitag in Bonn. Zumwinkel werde auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Postbank abtreten, teilte die Post weiter mit. In der Erklärung der Post wird noch keine Nachfolgeregelung für das Spitzenamt bei dem Konzern erwähnt.

Zumwinkel hat nach der Erklärung der Post dem Präsidialausschuss des Aufsichtsrats des Unternehmens „seine Entscheidung“ mitgeteilt. Er werde die beiden Ämter zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats niederlegen. Der Präsidialausschuss respektiere die Entscheidung und schlage dem Aufsichtsrat vor, „zeitnah“ dem Wunsch Zumwinkels nachzukommen. Die Aufsichtsratssitzung der Post werde am nächsten Montag in Bonn stattfinden, hieß es aus dem Umfeld des Konzerns am Freitag. Bis dahin bleibe Zumwinkel auch „formal“ Vorstandschef.

Bei einer Razzia waren am Donnerstagmorgen das Privathaus Zumwinkels in Köln und dessen Büro in der Bonner Konzernzentrale durchsucht worden. Anschließend war der Manager in einem Polizeiwagen zur Vernehmung zur Staatsanwaltschaft Bochum gebracht worden. Gegen eine Kaution wurde ein Haftbefehl gegen ihn außer Kraft gesetzt. Zumwinkel sei wieder zu Hause, hieß es später in einer Erklärung der Post.

Das ZDF hatte berichtet, Zumwinkel solle zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein gebracht haben. Weil er die Kapitalerträge daraus nicht versteuert haben soll, liege der Steuerschaden bei rund einer Million Euro.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ heute berichtet, hatte der BND Amtshilfe geleistet und einen Informanten, der im vergangenen Jahr Interna über den Post-Chef anbot, an die Wuppertaler Steuerfahndung vermittelt.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ ist dies nur der Auftakt für eine ganze Serie von Ermittlungen. In den nächsten Tagen würden in ganz Deutschland Razzien anlaufen, hieß es laut „Handelsblatt“ in Ermittlerkreisen. Hunderte von Tätern seien bereits enttarnt. Die Fahnder haben nach diesen Informationen offenbar massenhaft Unterlagen aus der LGT-Bank, der Bank der liechtensteinischen Fürstenfamilie, erhalten. „Wir haben die ganze Bank geknackt“, sagte ein Ermittler laut „Handelsblatt“. Mit diesen Informationen konfrontiert, habe LGT-Sprecher Bernd Junkers mit dem Satz reagiert: „Wir kommentieren das im Moment nicht.“ Woher die Datensätze stammen, sei noch nicht klar. Bei den Steuersündern handele es sich meist um reiche und prominente Deutsche. Namen seien noch nicht bekannt, schreibt das „Handelsblatt“.

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