Zum Vorrundenabschluss 22:30 gegen "Angstgegner" Spanien verloren

Der deutsche Torhüter Henning Fritz (r) im Duell gegen den spanischen Spieler Albert Comas Rocas. Foto: dpa
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Der deutsche Torhüter Henning Fritz (r) im Duell gegen den spanischen Spieler Albert Comas Rocas. Foto: dpa

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20. Januar 2008, 06:39 Uhr

Die deutschen Handballer haben vor den entscheidenden Spielen um das EM-Halbfinale von Angstgegner Spanien einen herbe Abfuhr kassiert und gehen mit der Hypothek einer Niederlage in die Hauptrunde. Im abschließenden Vorrundenspiel unterlag der Weltmeister im Duell mit seinem Vorgänger mit 22:30 (12:12) und vergab mit der ersten Niederlage den Gruppensieg. Vor 3338 Zuschauern in der Haukelandshallen verlor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) im zweiten Durchgang erst die spielerische Linie und dann die Top-Partie der Gruppe C. Beste deutsche Werfer waren Holger Glandorf, Andrej Klimowets und Florian Kehrmann (je 4).

„So ein Spiel kommt bei jedem Turnier einmal vor. Die spielerische Leistung hat mir gar nicht gefallen. Die Fehler aus dem Ungarn-Spiel haben sich heute fortgesetzt, und das war gegen diese Spanier tödlich“, beklagte Bundestrainer Heiner Brand. Mit einem Mix aus Frust über die zum Teil desolate Leistung und der Zuversicht auf Besserung reagierten seine Spieler auf die Niederlage. „Das ist kein Beinbruch, aber in der zweiten Halbzeit haben wir schon katastrophal gespielt. Wir werden jetzt wieder aufstehen und haben weiter alle Chancen das Halbfinale zu erreichen“, sagte Glandorf. Und Kehrmann meinte: „So eine Situation hatten wir bei der WM auch. Wir sind noch dabei und können aus eigener Kraft ins Halbfinale kommen.“

In der Hauptrunde ab Dienstag warten in Trondheim Titelverteidiger Frankreich, Schweden und Island als nächste Kontrahenten. Doch daran mochte Brand nicht denken. „Ich will gegen Spanien gewinnen, und dann erst gegen die nächsten“, sagte er vor der Partie. Seinen Spielern war bewusst, dass Spanien der härteste Vorrundengegner ist. „Die werden gegen uns voll Gas geben“, sagte Kapitän Markus Baur.

Die Prognose traf zu. Denn trotz einer 3:1-Führung (4.) ließen sich die Spanier nicht abschütteln und gingen ihrerseits mit 4:3 in Führung. Auch ein 8:5-Vorteil (16.) reichte nicht, um die Iberer einzuschüchtern. Vielmehr nutzten diese jede kleine Nachlässigkeit im deutschen Team und kamen zu einer 12:10-Führung, die der Weltmeister bis zum 12:12-Pausenstand wieder ausglich.

„Früher haben wir öfter verloren, zuletzt sah es immer recht gut aus. Ich hoffe, dass der Trend anhält“, sagte Brand. Damit erinnerte er an die beiden Siege bei der WM im Vorjahr (27:25) und bei den Olympischen Spielen 2004 (32:30 nach Siebenmeterwerfen) jeweils im Viertelfinale. Von einem positiven Trend aber war das deutsche Team nach Wiederanpfiff weit entfernt. Zahlreiche Fehler im Angriff verhinderten ein konstruktives Spiel und Spanien enteilte auf 18:14 (42.). Der wütende Bundestrainer nahm eine Auszeit, konnte damit aber dem Spiel keine Wende mehr geben. „Wir haben total den Faden verloren“, bekannte Oliver Roggisch.

Nach dem vorzeitig gemeisterten Einzug in die Hauptrunde durch den 28:24-Arbeitssieg über Ungarn war Brand die Erleichterung anzusehen. „Ich bin sehr froh, dass wir gewonnen haben“, gab er zu, „wir hatten eine Leistungssteigerung zu verzeichnen.“ Vornehmlich die wiederkehrende Sicherheit in der Defensive sowie das trotz der Siege noch nicht ausgeschöpfte Potenzial machen den Mannen um Baur Mut für die harten Aufgaben in der Hauptrunde. „Die Abwehr war wesentlich beweglicher und aggressiver. Das entscheidet die Partien“, sagte der Spielgestalter.

Ebenso sieht es sein Nachfolger Michael Kraus. „Die Abwehr hat einen Schritt nach vorn gemacht. Wir kommen wieder zu der Aggressivität wie bei der WM“, urteilte der Lemgoer, schränkte aber auch ein: „Es ist noch Steigerungspotenzial da. Das müssen wir abrufen.“ Auch Kehrmann fordert noch mehr Einsatz. „Wir müssen noch eine Schippe drauflegen“, sagte der Rechtsaußen aus Lemgo. Beide stimmten damit genau der Analyse des Bundestrainers zu. „Es ist immer ein gutes Szenario, wenn man sich steigert. Wir haben noch Potenzial, um uns zu steigern, was aber auch nötig sein wird“, nahm Heiner Brand seine Spieler in die Pflicht.

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