Zu Gast in Indiens Burgen und Landhäusern

Reisen durch den Subkontinent sind auch eine Begegnung mit fremden Kulturen und Religionen. (Bild: Indisches Fremdenverkehrsamt/dpa/tmn)
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Reisen durch den Subkontinent sind auch eine Begegnung mit fremden Kulturen und Religionen. (Bild: Indisches Fremdenverkehrsamt/dpa/tmn)

Tolle Alternative zur Einheitsübernachtung: "Heritage Hotels" sind Burgen und Landhäuser für Touristen - und ein Symbol für indische Gastfreundschaft. Wer so das Land bereist, lernt Schlösser und Paläste kennen - manchmal aber auch einfach nur alte Häuser.

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27. März 2009, 05:56 Uhr

Delhi (dpa/tmn) - Der Bus hat den kurvenreichen Abstieg aus dem Himalaya geschafft. Links sind noch schneebedeckte Berge zu sehen, rechts geht es hinab in die Gangesebene.

Hier soll es irgendwo sein, das nächste «Heritage Hotel». So heißen in Indien die Burgen und Landhäuser, in denen Touristen übernachten können. Die britischen Touristen sind gespannt, wo sie die nächste Nacht verbringen werden. «Jedes Haus, jedes Zimmer ist anders, man lernt ein ganz anderes Indien kennen», sagt Sue Chandler aus London.

Gastfreundschaft wird großgeschrieben

Diesmal steht Pragpur im Bundesstaat Himachal Pradesh auf dem Programm. Der Bus fährt durch die engen Gassen des Dorfs, und die Passagiere fragen sich, wo sie hier wohl übernachten sollen. So ist das fast immer auf dem letzten Kilometer zu einem «Heritage Hotel» - bis dann ein befreites «Aahhh» durch den Bus geht.

Diesmal wird es vom «Judges Court» ausgelöst, einem Haus mit weißen Säulengängen, in dem zu Kolonialzeiten ein Richter lebte. Sein Nachfahre Vijay Lal entschloss sich, es in ein Hotel zu verwandeln. «Am Anfang fühlte es sich etwas merkwürdig an, Fremde an den Tischen zu sehen, an denen meine Ahnen gesessen hatten. Aber es wurde mir immer mehr zur Freude, Gäste hier zu haben», sagt Lal.

Preise und Komfort variieren

«Heritage Hotels» sind keine Wohltätigkeitsveranstaltungen, sondern in erster Linie ein Geschäftsmodell, das die Erben üppiger Patrizierhäuser in die Lage versetzt, den Familienbesitz zu halten. «Das Haus war viel zu groß für mich, und es musste renoviert werden», erzählt R.D. Singh, der in Jaipur das «Nana ki Haveli» betreibt. «Bei uns Rajputen wurde Gastfreundschaft immer schon großgeschrieben - da hatte meine Frau die Idee, einen Beruf daraus zu machen.» Ganz ähnlich sieht das Devendra Singh. Er wagte mit «Roop Niwas» in Shekhawati im Nordosten Rajasthans schon 1992 den Sprung vom Landgut zum Touristenhotel.

Touristen, die heute nach Delhi und Jaipur, zum Taj Mahal und ans Ufer des Ganges reisen, haben die Wahl: Sie können in Standardhotels übernachten, oder sie entscheiden sich für «Heritage Hotels». Die Bezeichnung ist aber nicht geschützt und sagt nichts über Preise und Komfort. Architektonische Perlen mit viel Charme und Tradition für 50 Euro pro Nacht zählen ebenso dazu wie Neubauten im alten Stil oder teure Paläste, aber auch Häuser, die einfach nur alt sind.

"Charakter ist wichtiger"

Indien-Touristen, die mit «Heritage-Hopping» liebäugeln, tun deshalb gut daran, sich vorher genau zu erkundigen, wo sie die Nächte verbringen. Viele verlassen sich auf Berichte von Freunden und Bekannten, vertrauen auf etablierte Heritage-Ketten wie die Neemrana- Hotels oder buchen Pauschalangebote.

«Heritage Hotels» müssten einzigartig sein, nicht einheitlich, sagt die indische Reiseagentin Anita Gurnani. «Charakter ist wichtiger als Komfort.» Das waren auch die Kriterien von Giri Singh, die zwischen Jaipur und Agra fündig wurde. Sie kaufte das «Chandra Mahal Haveli», ein Großgrundbesitzerhaus im Mogul-Stil, das verfiel, und richtete es her. Inzwischen zählen nicht nur Indien-Touristen zu ihren Gästen: «Wir haben Klimaanlagen und Heizung in die Zimmer eingebaut, jetzt kommen auch im Sommer und im Winter Leute aus Delhi, die einfach mal raus wollen aus der Stadt.»

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