Zoff auf dem Reitplatz

Imageverlust im Vorzeigestall: Weit über die Landesgrenzen hinaus genoss das landeseigene Landgestüt Redefin bisher unter Pferdefreunden höchstes Ansehen. Doch die seit Wochen kursierenden Betrugsvorwürfe setzen den guten Ruf aufs Spiel und sorgen für Zoff auf dem Reitplatz.

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22. Februar 2008, 07:24 Uhr

Hagenow - Unter den Beschäftigten macht sich Frust breit: Jahre haben sie geschuftet, um sich in der Reiter- und Züchterszene einen Namen zu machen. Jetzt sehen sie das Gestüt ob der Vorwürfe schwer beschädigt. Stellung nehmen will in den Ställen ohnehin schon keiner mehr. Zu sehr sind die Beschäftigten über die mangelhafte Informationspolitik verärgert. Und auch die gestrige, eineinhalbstündige Krisensitzung mit Vertretern des Landwirtschaftsministeriums und des Gestüts konnte nicht für Erhellung sorgen. Und auch der angekündigte Einsatz eines kommissarischen Gestütsleiters nach der Erkrankung des erst im Mai 2007 auf den Chefposten berufenen Siegfried Hoffmann blieb ungeklärt. Bislang hatte das Land betont, die Neubesetzung habe nichts mit den Vorwürfen zu tun.

Die wiegen schwer. Mitarbeiter sollen Kraftstoff für Privatfahrzeuge und Staatsfutter für Privatpferde genutzt haben. Zudem sollen Lehrlinge private Pferde eingeritten haben. Vom obersten Dienstherr, Pferdefreund und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), fehlt dazu bislang noch jeder Kommentar. Die Vorwürfe würden nach wie vor geprüft, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Der Minister werde sich zu gegebener Zeit dazu äußern.

Der Klärungsbedarf ist groß: Inzwischen wirft beispielsweise die bisherige Praxis im Futtereinkauf in der Branche Fragen auf. Seit mindestens 1995 beziehe das Gestüt von der Firma Eggersmann aus Rinteln Futter für die Landespferde, bestätigte Eggersmann-Verkäufer Dieter Schulz gestern. Mehr als 50 Tonnen Pellets würden beispielsweise im Jahr geliefert. Auftragswert: zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Dazu kommen Aufzuchtfutter für Junghengste und Mineralstoffe. Die Lieferungen erfolgten alle ohne vorherige Ausschreibung, sagte Schulz und wies Vorwürfe zurück, dass Angestellte des Gestüts gleichzeitig für ihre Privatpferde kostenlos Futter erhalten würden. Zwar beliefere das Unternehmen einige Angestellte. „Doch Gratisfutter gibt es nicht“, meinte Schulz. Die Lieferungen würden korrekt bezahlt. Das Verfahren sorgt bei Wettbewerbern dennoch für Verärgerung. „Da ist kein Reingekommen“, meinte ein Insider. In einer ersten Reaktion sorgte das gestern selbst im Landwirtschaftsministerium für Verwunderung. In einem Landesbetrieb seien nach der Verdingungsverordnung Leistungen grundsätzlich auszuschreiben, meinte ein Sprecher. Man gehe davon aus, dass das auch für den Futtereinkauf zutreffe.

Die Affäre hat indes ein parlamentarisches Nachspiel: Am Montag bereits reist ein Arbeitskreis der CDU-Landtagsfraktion begleitet von Parlamentskollegen aus der SPD-Fraktion nach Redefin, um sich vor Ort über die Situation zu informieren. Vier Tage später will die FDP das Thema auf die Tagesordnung des Agrarausschusses setzen und die Landesregierung zum Rapport laden. Man wolle Aufschluss darüber erhalten, was an den Vorwürfen dran ist, meinte Fraktionssprecher Sascha Zimmermann.

Ungeachtet der Vorwürfe ist das Gestüt, das vom Land allein in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro erhält, ohnehin bereits im Blick der Prüfer vom Landesrechnungshof. Das sei eine obligatorische, 2007 vom Rechnungshof selbst initiierte Prüfung, die nichts mit den Vorwürfen zu tun habe, hieß es. Im Frühjahr solle der Prüfbericht vorliegen.

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