Zeugen bestochen: Marian K. packt aus

Marian K. im Gerichtssaal: Suche nach Wahrheit. Foto: geos
Marian K. im Gerichtssaal: Suche nach Wahrheit. Foto: geos

von
08. Februar 2008, 07:52 Uhr

Rostock - Ein Dschungel von Bestechungsvorwürfen rankt sich um Bauinvestor Marian K. Vor Gericht hat er jetzt erstmals zugegeben, Zeugen aus der Arbeitsagentur geschmiert zu haben. Sabine N. sagte, er habe ihr Vorteile verschafft . Außerdem soll er eigene Angestellte zu Falschaussagen aufgefordert haben.

Die Zweifel am Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen und denen von Bauinvestor Marian K. wachsen. Das haben neue Aussagen vor der Dritten Großen Strafkammer des Rostocker Landgerichts bewiesen.

Dabei belastete sich Marian K. selbst und überraschte damit offenbar auch seine Verteidiger. Die Anwälte drohten, solle so etwas noch einmal geschehen, legten sie ihr Mandat nieder. Sie teilten mit, ihr Mandant gebe zu, Zeugen aus der Arbeitsagentur beeinflusst zu haben. Er hätte ihnen 50 und 100 Euro gegeben.

Sabine N. misstraut ihrem Verteidiger

Überraschung des Prozesstages: Die ehemalige Mitarbeiterin der Arbeitsagentur in Rostock, Sabine N., versuchte, ihren Pflichtverteidiger loszuwerden. Als Grund gab sie Misstrauen an.
Die Vorgeschichte: Marian K. soll der 50-Jährigen ein Grundstück in Nienhagen zu einem Drittel des tatsächlichen Preises verkauft haben. Er erhoffte sich so offenbar Vorteile von ihr. Das Gericht überprüfte nun den Hauskauf durch einen Sachverständigen.
Der Anwalt von Sabine N. erhielt die Nachricht durch ein Schreiben. Daraufhin teilte er dem Gericht mit, seine Mandantin sei zu einer Aussage bereit. Doch Sabine N. will von diesem Vorgehen nichts gewusst haben. Sie forderte nun vom Gericht die Entlassung ihres Pflichtverteidigers. Der Richter lehnte allerdings ab.
Daraufhin sagte sie aus, nicht in den Hausverkauf „involviert“ gewesen zu sein. Ihr Name stehe lediglich in einem Kaufvertrag. Der sei zwischen ihrem Ehemann und der Immobiliengesellschaft von Marian K. geschlossen worden.

Vorteile durch eigene Mitarbeiter erzwungen
Zeuge Uwe-Jürgen T. erzählte dem Richter, dass ihn ein schwarz gekleideter Mann im Verlaufe eines anderen Prozesses vor dem Sozialgericht zu Aussagen zu Gunsten von Marian K. aufgefordert habe. „Wir sollten sagen, dass wir Hausmeisterarbeiten ausgeführt haben“, sagt der 49-Jährige. Dabei sei er Maurer und habe ausschließlich solche Arbeiten erledigt – so in einem Mehrfamilienhaus in der Stralsunder Straße und in Lambrechtshagen. Uwe-Jürgen T. war von Juli bis 31. Dezember 1999 angestellt gewesen – als Hausmeister. Andere Kollegen seien als Gärtner beschäftigt worden.

Das Gericht wird Mitte Februar weiter versuchen, das offensichtliche Gespinst aus Lügen und Intrigen zu entflechten. Dann sollen weitere Zeugenaussagen folgen.

Hintergrund: Drei Prozesse
Das Landgericht verhandelt gegen den Rostocker Bauinvestor Marian K. und den früheren Büroleiter des Bausenators, Wilfried K. Die Anklage lautet auf Bestechung – nur einer von zurzeit drei Prozessen gegen den Baulöwen.
Er soll unter anderem die frühere Leiterin des Liegenschaftsamtes, Sabine O., bestochen haben. Außerdem wird Marian K. vorgeworfen, der Mitarbeiterin der Arbeitsagentur, Sabine N., zur eigenen Vorteilsnahme ein Grundstück billig verkauft zu haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen