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18. November 2017 | 00:23 Uhr

Seelow : Zeitzeugen lösen Platten-Rätsel auf

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ursprünglich war der Weg an der Gedenkstätte schwarz-rot-gold-gemustert, aber nicht als Fahne

svz.de von
erstellt am 23.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Zwei Zeitzeugen lösen das Rätsel um die gepflasterte Deutschlandfahne in Seelow (Märkisch-Oderland) auf. „Wir haben damals die Betonplatten so verlegt, wie wir es für gut befunden haben. Da hat uns niemand groß reingeredet“, sagt Hubert Nowak. Er war zur Zeit der Errichtung der Gedenkstätte Seelower Höhen 1972 Leiter des Kreisbaubetriebes.

Während die Platten rings um den Hügel mit der Rotarmisten-Skulptur zur Eröffnung fertig verlegt worden waren, wurde der umstrittene Nebenweg erst vier Jahr später angelegt. Und zwar mit denselben Platten. Auch dort wurden die Steine nicht farblich sortiert in Reihe gelegt, erinnert er sich. Die Farben dienten seines Wissens nach lediglich der Auflockerung.

Auch Altmeister Horst Schrödter kann sich sehr gut erinnern. Seine Firma hatte einen Teil der Betonplatten zur Gestaltung der Gedenkstätte geliefert. Ihm ist in Erinnerung geblieben, dass es die Anweisung gab, nicht so zu verlegen, dass der Eindruck von Fahnen entsteht. „Auf Fahnen läuft man nicht“, war damals die Devise. Besonders an den Rändern sollte darauf Acht gegeben werden, dass der Eindruck nicht entsteht.

Sein Betrieb hatte damals viel Aufwand mit dem Auftrag. Denn die Farben für die Platten, schwarz, rot und gelb, hatte er sich extra von der VEB Kali-Chemie Farbenfabrik Nerchau aus Sachsen geholt. Doch die waren von der Parteiführung als zu kräftig befunden worden. „So haben wir die Fässer behalten müssen“, zeigt er eines, das noch übrig ist: ein rotes.

Fakt ist, dass die Betonplatten damals durchgefärbt waren. Diese Technik hatte der Betrieb damals bereits.

Für SPD-Landrat Gernot Schmidt sind die Zeitzeugenaussagen eindeutig: die Wegegestaltung mit grau, wie es der Landeskonservator fordert, wäre aus Denkmalgesichtpunkten falsch. Schmidt erinnert an den historischen Kontext: 1972 hatte die Macht Walter Ulbrichts als Staatsratsvorsitzender bereits ihren Zenit durchschritten. Erich Honecker stieg auf.

Waren unter Ulbricht noch „Deutschland einig Vaterland“ und „Deutsche an einen Tisch“ gängige Parolen, so begann mit Honecker das gesteigerte Selbstbewusstsein der DDR und die dauerhafte Teilung Deutschlands wurde Staatsräson. Eine Weg-Gestaltung in grau würde das wegretuschieren.

Im Streit um den neuen schwarz-rot-gelben Gehweg am Denkmal der Gedenkstätte „Seelower Höhen“ ist aber vorerst keine Lösung in Sicht. „Wir warten ab, ob wir vom Landeskonservator eine verbindliche Anordnung bekommen, dass der Weg neu gepflastert werden muss“, erklärte Thomas Berendt, Sprecher des Landkreises Märkisch-Oderland. Ein Treffen von Vertretern des Kreises und des Landesamtes für Denkmalpflege zu diesem Thema ging ergebnislos zu Ende.

Das Landesamt beharrt darauf, dass die Sanierung des Weges nur mit den alten Betonplatten hätte erfolgen dürfen. Der Weg müsse mit grauen Platten gepflastert werden, sagte Konservator Thomas Drachenberg.

„Die alten Platten waren aber nicht wiederzuverwenden, weil sie beim Herausnehmen zerbrochen sind“, erläutert Berendt. Und Landrat Gernot Schmidt betont, dass die Platten ursprünglich nicht grau waren, sondern ebenfalls die Farben der Deutschlandfahne trugen.

 

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