Zahl der Todesopfer in Birma steigt auf mehr als 34 000

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13. Mai 2008, 08:51 Uhr

Rangun/Brüssel - Zehn Tage nach dem Zyklon „Nargis“ ist die Zahl der Todesopfer in Birma auf über 34 000 gestiegen. Mehr als 27 000 würden noch vermisst, meldete der britische Sender BBC am Dienstag unter Berufung auf birmanische Behörden. Bei einem Krisentreffen appellierten die für humanitäre Hilfe zuständigen EU- Minister in Brüssel an die Regierung in Birma, das Land sofort für internationale Helfer zu öffnen. Sie hoffen darauf, dass auch der UN- Sicherheitsrat sich auf Drängen Frankreichs und Großbritanniens mit dem Verhalten der Regierung befasst und diese auffordert, Hilfe und Helfer zuzulassen. „Die UN-Charta eröffnet einige Wege“, sagte EU- Chefdiplomat Javier Solana. Im Katastrophengebiet sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erste Ruhr-Fälle aufgetreten.

Allmählich dringen Hilfsorganisationen mit einheimischen Mitarbeitern in die entlegenen Regionen des Katastrophengebietes vor. Zu einem Zentrum für die Einsätze entwickelt sich die schwer zerstörte Hafenstadt LaButta, wo der Malteser Hilfsdienst in einem verlassenen Haus inzwischen Behelfskliniken eingerichtet hat. „Die Lage in LaButta ist sehr, sehr dramatisch“, sagte Birke Herzbruch von Malteser International in Rangun. Die Menschen hätten die ganze Woche nur aus Brunnen trinken können, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen war. Heftiger Regen erschwert die Situation.

Deutschland kündigte unterdessen an, die Hilfe für die Opfer von zwei auf vier Millionen Euro zu verdoppeln. Die britische Königin Elizabeth II. unterstützt mit einer „bedeutenden“ privaten Spende die Hilfsoperationen. Eine Summe wurde nicht genannt. Wie und wo diese und andere Spenden eingesetzt werden, ist allerdings weiter unklar.

Die Staatspresse als Sprachrohr der Militärjunta machte noch einmal deutlich, dass ausländische Helfer im Land nicht erwünscht sind. Die Verteilung der Hilfe im Land übernehme das Militär, sofern die Spender keine einheimischen Mitarbeiter im Land haben, hieß es.

Das Rote Kreuz kann derweil in den verwüsteten Gebieten etwa 20 000 Familien pro Tag mit ersten Hilfsgütern unterstützen. „Wir bringen ihnen das, was sie am meisten brauchen, Nahrungsmittel, Zeltplanen, Moskitonetze, Kochsets oder Kleidung“, sagte Rot-Kreuz- Mitarbeiter Bernd Schell der dpa. „Und wir versuchen, uns jeden Tag um etwa 30 Prozent zu steigern.“ Viele Rot-Kreuz-Helfer sind durch den Zyklon obdachlos geworden und leisten trotzdem unermüdlich Hilfe, berichtete Bridget Gardner vom Internationalen Roten Kreuz in Genf nach ihrer Rückkehr aus LaButta. „Jeweils vier oder fünf Helfer kümmern sich pro Tag um bis zu 200 Menschen. Und sie haben kein Heim mehr, in dem sie sich nach ihrer schweren Arbeit ausruhen könnten.“

Die Hilfsorganisation World Vision hat in den Katastrophengebieten 37 Betreuungszentren für Kinder eingerichtet. Dort sollen Mädchen und Jungen Schutz finden, die ihre Eltern durch den Zyklon verloren haben, berichtete das Hilfswerk in Friedrichsdorf bei Frankfurt. In Rangun trafen unterdessen Medikamente und medizinische Ausrüstung zur Behandlung von 80 000 Menschen ein. Im besonders betroffenen Irrawaddy-Delta begann die WHO mit der Verteilung von Hilfsgütern. „Wir können ins Delta kommen“, sagte Generalsekretär Hans-Joachim Preuß der dpa in Berlin. Allerdings seien dort zunächst einheimische Helfer tätig und keine internationalen Mitarbeiter.

Ärzte ohne Grenzen ist dazu übergegangen, an Ort und Stelle neue Mitarbeiter anzuheuern. Sie sollen helfen, die eingetroffenen Hilfsgüter per Lastwagen zu den Bedürftigen zu bringen.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zeigte sich skeptisch zu Vorschlägen, für den Fall einer Blockade im Sicherheitsrat Hilfsgüter und Lebensmittel auch ohne Genehmigung der birmanischen Behörden von Flugzeugen abzuwerfen. „Es ist wichtig, dass Menschen behandelt und Wunden versorgt werden. Das ist nicht durch das Abwerfen von Lebensmitteln zu erledigen, sondern es braucht den direkten Zugang“, sagte sie am Rande der Tagung in Brüssel.

Der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Louis Michel stellte eine Erhöhung der EU-Hilfe von zunächst zwei Millionen Euro um weitere fünf Millionen Euro für Nahrungsmittelhilfe in Aussicht. Nach Angaben von Diplomaten hält Michel sogar eine Hilfe von bis zu 33 Millionen Euro für möglich.

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