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25. November 2017 | 08:57 Uhr

Zahl armer Rentner steigt stark an

vom

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2011 | 03:24 Uhr

Altersarmut wird in den nächsten Jahren ein massives Problem in Brandenburg werden. Allein für die Prignitz errechnet das Pestel-Institut für Systemforschung in Hannover einen Anstieg der Rentner mit Grundsicherung von derzeit 217 auf "dramatische" 1618 im Jahre 2020. Im selben Zeitraum steigt die Gesamtzahl der Senioren über 65 Jahren in der Prignitz allerdings nur um vier Prozent auf knapp 22 000. Die Älteren werden zu den Ärmsten in Deutschland gehören, erklärt Projektverantwortlicher Matthias Günther. Das gelte für weite Teile Brandenburgs. Landesweit werden 2020 gut 41 000 Rentner auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein, derzeit sind es gut 6600.

"Wir wollen kein Horrorszenario vorhersagen, sondern zum Handeln anregen, damit der Fall nicht eintritt." Die stärkste Zunahme armer Rentner ist in den LandkreisenOberspreewald-Lausitz, Uckermark, Elbe-Elster und Märkisch Oderland zu erwarten. Bessere Aussichten gebe es höchstens für den Speckgürtel rund um Berlin und die Landeshauptstadt Potsdam, wo nur knapp halb so viele ärmere Rentner zu erwarten seien.

Es sei aus Sicht der Experten anzunehmen, dass jemand, der heute zwischen 55 und 65 Jahre alt ist und Hartz IV bekommt, auch als Rentner auf finanzielle Hilfen angewiesen sei. Das kombiniert mit der Bevölkerungsentwicklung bringe die Vorhersagen. Abhilfe schaffen könnten eine auskömmliche Entlohnung und damit höhere Rentenansprüche sowie preiswerter Wohnraum für Ältere. In Deutschland habe sich ein starker Niedriglohnsektor entwickelt, schätzt Günther ein. Nur wenn es weniger Hartz IV-Empfänger gebe, könne das finanzielle Polster im Alter erhöht werden. Hier sei die Politik gefordert. Geld müsse umverteilt werden, die Löhne müssen steigen. "Grundsicherung werden auch einige bekommen, die ihr Leben lang gearbeitet haben."

Preiswerte Wohnungen fehlen

Dazu komme, dass bezahlbare Wohnungen fehlen. "Wenn man dazu übergeht, dass jeder nur das bekommt, was er bezahlen kann, dann leben bald wieder sechs Personen auf 60 Quadratmetern, haben Rentner nur ein Zimmerchen oder gibt es Zwangswohngemeinschaften", so der Diplom-Ökonom. Das könne niemand wollen.

Das Pestel-Institut fordert deshalb die Verantwortlichen auf, neue Wohnkonzepte für Ältere zu entwickeln. Das könnten aus Günthers Sicht Appartementhäuser mit kleinen Wohnbereichen und einer großen Gemeinschaftsküche sein - sogenanntes "Co-Housing". Dort habe jeder seinen privaten Rückzugsraum, aber auch die sozialen Kontakte und Raum für Gemeinsamkeiten. "Armut macht einsam. Auch dem gilt es zu begegnen", sagt der Experte. Seniorenangebote für Ärmere gebe es bislang kaum, meist seien vor allem hochpreisige Wohnanlagen entstanden. Es müsse sich mehr tun, denn auch finanziell besser gestellte Rentner werden sich energetisch sanierte und barrierearme Wohnungen bald nicht mehr leisten können. In unsanierten Wohnungen werden aber die Nebenkosten die Kaltmieten überholen. Das sei auch nicht finanzierbar. "Wenn jemand 800 bis 1100 Euro Rente bekommt und 100 Euro weniger fürs Wohnen ausgeben muss, entlastet das enorm", betont Matthias Günther.

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