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18. Dezember 2017 | 19:36 Uhr

Wütender Sarkozy an der Strippe

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2012 | 08:12 Uhr

Eigentlich war es nur der missglückte Versuch Nicolas Sarkozys, unangenehme Fragen mit einem Witz abzuschmettern. Doch er spricht Bände nicht nur über seinen Humor, sondern auch sein Misstrauen gegenüber Journalisten, die in seiner Amtszeit bereits mehrmals von staatlichen Stellen abgehört wurden. Am Rande einer Pressekonferenz befragt zu seiner Rolle in einer undurchsichtigen Korruptionsaffäre, erwiderte der französische Präsident, er könne die anwesenden Pressevertreter ebenso aufgrund eines völlig unbegründeten, aber „inneren Gefühls“ zum Beispiel der Pädophilie verdächtigen. Und verabschiedete sich mit einem launigen „Bis morgen, pädophile Freunde!“

Dass Sarkozy es nicht nur bei solchen Boshaftigkeiten belässt, beschreibt der Direktor des Nachrichten-Magazins „Le Point“, Franz-Olivier Giesbert, in einer Biografie. Er gibt dort einen halbstündigen, sich bis zur Hysterie steigernden Monolog des Staatschefs wieder, der sich über einen im „Point“ erschienenen Artikel über die amouröse Vergangenheit Carla Brunis beschwerte, eine offizielle Entschuldigung an seine neue Frau einforderte und vor Konsequenzen warnte.

In anderen Fällen blieb es nicht bei der Drohung. So musste im Frühjahr 2010 ein für die Online-Ausgabe der Zeitung „Journal du Dimanche“ Verantwortlicher den Hut nehmen, nachdem dort ein Artikel über Trennungs-Gerüchte des Präsidentenpaares erschienen war. Auch als das Boulevard-Blatt „Paris Match“ im Sommer 2005 auf seiner Titelseite ein Foto seiner damaligen Frau Cécilia händchenhaltend mit Richard Attias veröffentlichte, für den sie Sarkozy zwei Jahre später verließ, forderte er den Kopf des Redaktionsleiters von „Paris Match“ – der dann auch fiel. Vorsichtig geht auch das staatliche Fernsehen mit ihm um, seit der Chef von „France Télévisions“ dank eines neuen Mediengesetzes direkt von Sarkozy eingesetzt wird. Und damit wohl auch indirekt weisungsgebunden ist. Der autoritäre Präsident hat gerne alles im Griff, auch die Presse. Wut- und Drohanrufe bei den Verantwortlichen – das ist in Frankreich keine Neuheit.

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