Demographie : Wohlstand erhöht die Lebenserwartung

Durchschnittsalter steigt seit 150 Jahren kontinuierlich an. In Norddeutschland wohnen die ältesten Menschen

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28. Juli 2014, 09:09 Uhr

Eine Patentlösung für ein langes Leben gibt es nicht. Aber viele Faktoren können die Chancen auf eine hohe Lebenserwartung steigern. Dieser Meinung ist der demografische Forscher Jörg Vogt vom Rostocker Max-Planck-Institut. Schon die Lebensweise gebe vor, wie fit ein Mensch sei. „Das hängt zum Großteil von der Ernährung, dem Rauchverhalten und dem Alkoholkonsum ab“, sagt Vogt. Auch das Verhalten im Straßenverkehr spiele eine große Rolle. Das wirtschaftliche und soziale Umfeld kann ebenfalls lebensverlängernd wirken. Das bedeutet, dass Menschen in Metropolen grundsätzlich eine längere Lebenserwartung haben. Das liegt daran, dass sie dort eine bessere medizinische Versorgung haben als in ländlichen Gegenden. In der Stadt sind die Karrieremöglichkeiten einfach vielfältiger. Denn auch der Wohlstand und die ökonomische Sicherheit sorgen für ein mentales Wohlbefinden. In Verbindung mit einem höheren Bildungsgrad stehen die Chancen, ein hohes Alter zu erreichen, daher gut.

Besonders Universitätsstädte wie Rostock und Greifswald haben eine besondere Altersstruktur. „Durch die Universitätsmedizin ist die Versorgung auch besser als in anderen Regionen“, so der Demograf. Dort stehen die Chancen besser, ein dreistelliges Alter zu erreichen.

Das Max-Planck-Institut hat herausgefunden, dass die Lebenserwartung von Menschen in westlichen Ländern in den vergangenen 150 Jahren kontinuierlich angestiegen ist. „Die durchschnittliche Lebenserwartung zum Beispiel in Ostdeutschland lag 1950 bei 71 Jahren, heute sind es 82 Jahre“, sagt Vogt. Bei Männern lag das Durchschnittsalter 1950 bei 66 Jahren und heute bei 77 Jahren. „Und es gibt keine Anzeichen, dass das Alter aufhört zu steigen“, sagt der Forscher.

Allein in den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der 100-Jährigen verzehnfacht. Laut einer Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung sind im Jahr 2012 bundesweit 14 000 Menschen mindestens 100 Jahre alt geworden. Beste Chancen dieses Alter tatsächlich zu erreichen, haben vor allen Dingen die Menschen im Nordwesten Deutschlands und in Berlin. In den nördlichen Regionen liegt der Anteil an Höchstaltrigen demnach um 50 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Höchstwerte erreichen die Metropolen Hamburg mit 72 Prozent und Berlin mit 53 Prozent. Das haben die beiden Demografen Sebastian Klüsener und Rembrandt Scholz in ihrer Studie herausgefunden. Dafür haben sie von extrem langlebigen Menschen, die von 1989 bis 2002 ein Alter von 105 oder noch mehr erreicht haben, Daten gesammelt und aufbereitet.

Pro Dekade steige das Durchschnittsalter um 2,5 Jahre, sagt Vogt. Dafür nehmen degenerative Krankheiten wie Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit steigendem Alter zu. Das bedeute für den einzelnen jedoch nicht, dass die Wahrscheinlichkeit steige, im Alter zu erkranken. „Ganz im Gegenteil, die Zeit der Gesundheit verlängert sich“, sagt Vogt. Außerdem ist zu erwarten, dass die medizinische Versorgung durch den Fortschritt in der Forschung weiterentwickelt werde, so dass die typischen Krankheiten sich auch besser behandeln lassen.

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