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Wofür steht Joachim Gauck? Die Hintergründe zum neuen Bundespräsidenten

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erstellt am 19.Mär.2012 | 09:38 Uhr

Joachim Gauck wird mit Vorschusslorbeeren überhäuft, die Bürger räumen dem neuen Bundespräsidenten einen großen Vertrauenskredit ein: 80 Prozent halten das neue Staatsoberhaupt laut Umfragen für glaubwürdig. Doch wofür steht Gauck? 37 Prozent wissen es nicht. Und andere fürchten: Der 72-jährige Pastor, DDR-Bürgerrechtler und frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, kenne nur ein Thema: Das hohe Lied der Freiheit. Hintergründe zur Person und den Positionen des Bundespräsidenten von Christoph Slangen.

Wird Joachim Gauck ein Bürgerpräsident, der sich auf Kosten der Parteien profiliert?

Gauck kommt nicht aus dem herkömmlichen Politikbetrieb, obwohl auch er kurz Parlamentarier war: Am 18. März 1990 wurde er als Abgeordneter der ersten freien DDR-Volkskammer gewählt - genau 22 Jahre vor seiner gestrigen Wahl zum Bundespräsidenten. Er versteht sich jedoch nicht als Gegenpol zur etablierten Politik, nicht als Ersatzkaiser oder oberster Zensor der Bundesregierung. Er wolle in seinem Amt für eine "Annäherung zwischen Regierenden und Volk" sorgen, versprach er gestern in seiner Dankesrede. Mit dem Verdruss in der Bevölkerung gegen die Politiker will er sich nicht verbünden - aber durchaus kritisch sein.

Ist das Thema Freiheit Gaucks einzige Botschaft?

Freiheit ist sein Hauptthema: "Das ist so", sagt er und: "Das wird auch so bleiben." Nach einem Leben in zwei Diktaturen, Nationalsozialismus und SED-Herrschaft, betont er den Wert der Freiheit: "Wir haben sie gewollt. Wir gestalten sie", stand bereits 1990 auf seinem Wahlplakat zur Kandidatur für die Volkskammer zu lesen. Er differenziert jedoch genau: Ihm gehe es nicht um die pubertierende Freiheit der Stärksten, sondern um die der Erwachsenen, die sich in Freiheit zu ihrer Verantwortung als Bürger bekennen. "Ich werde niemals eine Wahl versäumen", hat er sich geschworen.

Warum wurde Gaucks Privatleben kritisiert?

Der 72-jährige ist seit zwölf Jahren mit der 52-jährigen Journalistin Daniela Schadt aus Nürnberg zusammen. Gauck hat vier Kinder mit seiner Frau Gerhild, von der er seit 1991 getrennt ist - allerdings nicht geschieden. Aus der CSU hatte es deshalb Rufe gegeben, Gauck möge seine privaten Verhältnisse ordnen, sich scheiden lassen und seine Lebensgefährtin heiraten. Seine Lebensgefährtin, die neue First Lady sagt: "Nur aus protokollarischen Gründen zu heiraten, das fände ich auch nicht richtig.

Wer wird den neuen Bundespräsidenten beraten?

Als Chef des Bundespräsidialamtes ist David Gill vorgesehen. Er ist Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche und war schon in Gaucks Zeit als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde dessen erster Sprecher. Gill ist SPD-Mann. Auch Gaucks derzeitiger Sprecher Andreas Schulze dürfte mit ins Präsidialamt wechseln. Er gehört zu den Berliner Grünen.

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