Wo "Onkel Thoms Hütte" stand

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29. Juli 2012, 05:45 Uhr

Insel Usedom | Der Golm, mit 69 Metern Höhe Usedoms höchste Erhebung, ist eng mit der Entwicklung der Hafenstadt Swinemünde verbunden. In deren Blütezeit um die Wende des 18./19. Jahrhunderts haben die Swinemünder den Golm "als ihren Hausberg in Besitz" genommen, wie es in einem Büchlein über den Golm heißt. Auch der junge Theodor Fontane, dessen Vater von 1827 bis 1832 in Swinemünde Apotheker war, schrieb viele Jahre später in seinen "Kinderjahren" von den Ausflügen zum Golm. Ende des 19. Jahrhunderts entstand dort ein Ausflugslokal, das von den Einheimischen "Onkel Thoms Hütte" genannt wurde. Frei nach Harriet Beecher Stowe, denn der Pächter des Lokals hieß Thoms. Der Golm erfreute sich wegen seiner schönen Aussicht auf die Stadt Swinemünde so großer Beliebtheit, dass sogar im Sommer ein Haltepunkt der königlichen Eisenbahn am Fuße des Berges eingerichtet wurde.

Während um 1935 die Welt rund um den Golm noch in Ordnung zu sein schien, veränderte sie sich doch auch auf Usedom. Nur wenige Kilometer entfernt entstand der Garzer Fliegerhorst, am anderen Ende der Insel die Heeresversuchsanstalt Peenemünde und in der Mellenthiner Heide eine Munitionsfabrik. Im Swinemünder Hafen wurden Kriegsschiffe stationiert und Gefechtsstände in den Küstenwald gebaut. Wenige Jahre später begann der Krieg, der vor allem die Stadt Swinemünde nicht verschonte. Kurz vor Kriegsende, am 12. März 1945, verwandelten US-amerikanische Bomberverbände Swinemünde in ein flammendes Inferno, das Schätzungen zu folge zwischen 6000 und 14 000 Todesopfer forderte. Diese wurden, größtenteils bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, in Massengräbern auf dem Golm beigesetzt. Der diente bereits seit Sommer 1944 als Soldatenfriedhof mit rund 1500 Gräbern.

Am 12. März 1992 wurde von einigen Kamminkern und dem Zirchower Pastorpaar Otto und Ingeborg Simon die Interessengemeinschaft Gedenkstätte Golm gegründet, die sich um die Pflege der Gedenkstätte kümmerte und für die Versöhnung über Gräber und Grenzen hinweg warb. Am 1. März 2000 ging der Golm als größte Kriegsgräberstätte Mecklenburg-Vorpommerns in die Trägerschaft des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge über.

Eine Dauerausstellung ist im 2001 errichteten Informationsgebäude zu sehen. Jährlich führt der Volksbund am 12. März und am Volkstrauertag Gedenkstunden auf dem Golm durch. Am 12. März 2005 eröffnete der Verband die Jugendbegegnungsstätte Golm in Kamminke, die der 2005 aufgelösten Interessengemeinschaft ein zentrales Anliegen war.

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