Wo der Wind durchs Haus pfeift

Mit Hilfe des Gebläses befördert Jürgen Lehmann Luft nach draußen und erzeugt im Haus so einen Unterdruck. Durch Lecks würde jetzt wieder Luft nachströmen.Foto: Hans-Dieter Hentschel
Mit Hilfe des Gebläses befördert Jürgen Lehmann Luft nach draußen und erzeugt im Haus so einen Unterdruck. Durch Lecks würde jetzt wieder Luft nachströmen.Foto: Hans-Dieter Hentschel

Wenn die Gardine vor dem geschlossenen Fenster weht, ist alles klar: Das Fenster ist nicht dicht. Da sind andere Lecks weniger offensichtlich, aber nicht weniger mit Wärmeverlusten verbunden. Der Blower-Door-Test.

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09. Oktober 2008, 11:00 Uhr

Wenn die Gardine vor dem geschlossenen Fenster weht, ist alles klar: Das Fenster ist nicht dicht. Da sind andere Lecks weniger offensichtlich, aber nicht weniger mit Wärmeverlusten verbunden. Und nicht nur das: „Eine mögliche Folge sind auch Feuchtigkeitsschäden, zum Beispiel in der Dämmung“, erklärt Bezirksschornsteinfegermeister Jürgen Lehmann aus Wismar. So weit soll es im Häuschen von Monika Tietze gar nicht erst kommen. Um die Dichtheit des Einfamilienhauses nachzuweisen, in das die Wismarerin mit ihrem Mann gerade erst eingezogen ist, hat das Bauunternehmen einen Test veranlasst – einen Blower-Door-Test.

Die Hand als sensibles Messinstrument
Jürgen Lehmann hat den Rahmen der geöffneten Terrassentür mit einer speziellen Folie abgeklebt, in der sich ein Gebläse befindet. Dann schaltet er das Gerät an, das die Raumluft nach draußen befördert. „Ich erzeuge im Haus einen Unterdruck von 50 Pascal. Gibt es undichte Stellen würde jetzt an diesen Stellen Luft von außen nach innen drängen“, erklärt er und macht sich auf die Suche. Mit der Hand – dem „sensibelsten Messinstrument“ – geht er an sämtlichen Fensterlaibungen entlang, hält sie an die Rollladenkästen, die Steckdosen und im Hauswirtschaftsraum an den Schacht mit den Versorgungsleitungen. Diese Prüfung könnte er auch mit Nebel machen, durch den der Luftzug auch sichtbar wird, oder mit einem Anemometer, das die Strömungsgeschwindigkeit der Luft misst.

Dann greift Jürgen Lehmann, der seit 2001 auch Energieberater ist, zum Infrarotthermometer. Erst erscheint der rote Punkt an der Wand, dann auf dem Rollladenkasten. „23 Grad – bei beiden“, stellt er zufrieden fest. „Wo Luft hineinströmt, wäre es kälter.“ Esszimmer, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer sind die nächsten Stationen. Noch hat Lehmann nichts Auffälliges feststellen können. Letzte Gewissheit wird der Blick auf das kleine Messgerät bringen. 190 steht dort in der entscheidenden Spalte und bedeutet, dass das Gebläse 190 Kubikmeter Luft pro Stunde aus dem Haus befördern muss, um den gewünschten Unterdruck aufrechtzuerhalten. Und das wiederum heißt, dass pro Stunde 190 Kubikmeter Luft durch irgendwelche Öffnungen ins Gebäude strömen.

Dann trotzdem das Urteil: „Alles in Ordnung. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz darf bei einem solchen Haus das Dreifache des Raumvolumens nachströmen“, erklärt der Energieberater. „Das wären bei 100 Quadratmetern Wohnfläche fast 900 Kubikmeter.“ Davon ist das Gebäude weit entfernt. „Das zu wissen, beruhigt gerade mit Blick auf die Heizkosten doch sehr“, betont Monika Tietze.

Häufige Mängel in Dachgeschosswohnungen
Später wird der Test noch einmal mit Überdruck wiederholt. Immerhin sei es denkbar, dass sich die abdichtende Folie bei Überdruck anders verhält als bei Unterdruck. Schwachstellen in puncto Gebäudedichtheit seien vor allem die Anschlüsse Dach – Massivwand, Durchführungen für die Elektro- und Heizungsinstallation, Fensteranschlüsse, Steckdosen und Dachschrägen. Insofern würden er und seine Kollegen in Dachgeschosswohnungen am häufigsten Mängel feststellen. „Ein Haus luftdicht zu bauen, ist aufwändig, aber möglich“, betont er, „und mit Blick auf die Bemühungen, Energie zu sparen, sehr sinnvoll.“ Einen Blower-Door-Test sollte man am besten im Rohbau-Zustand durchführen, weil man Leckagen dann noch abdichten könne.

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