Spanien: Vor dem großen Finale : "Wir werden zu leiden haben"

Caramba, sind die gut drauf. Nicht nur fußballerisch. Küsschen hier, Besito da, zwischendurch noch schnell ein Witzchen eingestreut. Die Spieler der spanischen Nationalmannschaft, die heute im EM-Finale gegen Deutschland nach 44 Jahren erstmals wieder einen großen Titel gewinnen können, wirkten nach dem Abschlusstraining am Samstag, als stünde heute ein Plauschmatch an - und kein Date mit der Geschichte.

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30. Juni 2008, 12:58 Uhr

"Wir werden zu leiden haben"Spanien: Vor dem großen FinaleCaramba, sind die gut drauf. Nicht nur fußballerisch. Küsschen hier, Besito da, zwischendurch noch schnell ein Witzchen eingestreut. Die Spieler der spanischen Nationalmannschaft, die heute im EM-Finale gegen Deutschland nach 44 Jahren erstmals wieder einen großen Titel gewinnen können, wirkten nach dem Abschlusstraining am Samstag, als stünde heute ein Plauschmatch an - und kein Date mit der Geschichte. Caramba, sind die gut drauf. Nicht nur fußballerisch. Küsschen hier, Besito da, zwischendurch noch schnell ein Witzchen eingestreut. Die Spieler der spanischen Nationalmannschaft, die heute im EM-Finale gegen Deutschland nach 44 Jahren erstmals wieder einen großen Titel gewinnen können, wirkten nach dem Abschlusstraining am Samstag, als stünde heute ein Plauschmatch an - und kein Date mit der Geschichte.
Denn historische Ausmaße hätte der erste Titelgewinn seit dem bislang einzigen EM-Triumph 1964 durchaus.Doch der Fußball in Perfektion, den sie in der zweiten Halbzeit des Halbfinales gegen Russland (3:0) und über weite Strecken des Turniers zeigten, macht eben selbstbewusst. Und durchaus auch mitfühlend. "Als Fußballer würde mich freuen, wenn alle dabei sind, auch Ballack", sagt Abwehrchef Carles Puyol zur Ungewissheit rund um den deutschen Kapitän. Er, Puyol, möchte sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn er selbst wegen einer Verletzung auf der Kippe stünde. "So eine Chance kommt vielleicht nie wieder."Sollte Michael Ballack tatsächlich ausfallen, sei dies jedoch nicht unbedingt ein Vorteil für seine Mannschaft, vermutet der spanische Nationalcoach Luis Aragones: "Er ist ein großer Spieler, aber auch ein großer Spieler kann einen schlechten Tag haben. Mich beunruhigen immer die elf, die auflaufen. Wer ihn ersetzt, der wird versuchen, es noch besser als Ballack zu machen", so der scheidende Trainer, dessen Vertrag mit dem Turnier ausläuft. Dass Nostalgie beim letzten Spiel dabei ist, gab Aragones zu: "Man hat vom Verband nichts gemacht, dass ich bleibe." Doch nun gebe es "kein Zurück".Wohl kein Zurück auf den Platz des Ernst-Happel-Stadions gibt es auch für Stürmer David Villa. Dessen Oberschenkelverletzung aus dem Halbfinale lässt einen Einsatz wohl definitiv nicht zu, wer ihn ersetzen wird, sei noch nicht klar, erklärte Aragones. "Es ist möglich, dass wir dennoch mit zwei Stürmern spielen." Dann käme Daniel Guiza im 4-1-3-2-System zum Einsatz, neben Villa und dem ohnehin gesetzten Fernando Torres der einzige weitere Angreifer im Aufgebot. Jedoch eher unwahrscheinlich, diese Variante, ist Guiza doch trotz bislang zwei Turniertoren nicht der "spielende Angreifer" wie Villa, der die Position zwischen Mittelfeld und Sturm zuvor perfekt mit Leben füllte.Auch der Einsatz eines zusätzlichen Mittelfeldspielers sei denkbar, so Aragones - das wäre eine 4-1-4-1-Konstellation, bei der dann fraglos Cesc Fabregas in die Startelf rücken dürfte. Wahrscheinlicher diese Variante.Deutschland "irgendwo dort oben eine Festung"Ihr typisches Kurzpassspiel werden die Spanier, in welcher Formation auch immer, aber erneut aufziehen, es zumindest versuchen. "Vielleicht ist es das, was der Gegner an uns am meisten fürchtet." Deutschland hingegen habe angesichts der großgewachsenen Innenverteidiger "irgendwo da oben eine Festung", scherzte Aragones. Da bräuchten seine Leute schon "eine Leiter" um durchzukommen, ergo: "Wir werden zu leiden haben."Aber es geht ja auch um Großes. Ein Titel mit der "Seleccion" sei mehr wert als so mancher Titel in der Champions League mit Real Madrid, meint Iker Casillas. "Das hier gibt es nur alle vier Jahre", meint der Nationalelf-Kapitän.So oder so: Auf die Spanier wartet am Montag in der Heimat ein großer Bahnhof in Madrid mit Empfang durch Stadt- und Staatsregierung. Die Nacht auf Montag verbringen die Iberer jedoch noch einmal in ihrem Tiroler EM-Quartier in Neustift im Stubaital, ebenfalls ganz unabhängig vom Ausgang des Spiels. "Wir wurden dort sehr gut aufgenommen, hatten eine phantastische Zeit, auch unsere Familien haben sich sehr wohlgefühlt", sagt Casillas.Direkt nach dem Endspiel geht es daher per Flieger zurück nach Innsbruck, von dort per Bus weiter ins knapp 30 Kilometer entfernte Neustift, wo die Mannschaft die letzten Wochen im "Milderer Hof" abgestiegen war - keine Luxusherberge des im Profifußball üblichen Ausmaßes, vielmehr ein erstklassig ausgestattetes Vier-Sterne-Hotel, mit Doppelzimmerpreisen in der Nebensaison von durchaus unter 100 Euro.Am Montag um 17 Uhr geht es per Flieger von Innsbruck aus nach Madrid, wo Casillas und Co. gegen 19.30 Uhr erwartet werden. Getreu dem Motto auf dem offiziellen UEFA-Bus, der die "Roja" in diesen Wochen durch Österreich kutschierte: "Pase lo que pase, Espana siempre" "Was auch immer passiert, Spanien auf ewig." Auf ewig für eine Fiesta gut. Auch am 20.45 Uhr gegen Deutschland?

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