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Interview mit Rolf Tophoven : „Wir sind im Fadenkreuz des IS“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rasmus Buchsteiner sprach mit Rolf Tophoven, Terrorexperte und Direktor des Instituts für Krisenprävention

von
erstellt am 13.Sep.2016 | 18:40 Uhr

Terror-Festnahmen in Norddeutschland: Drei mutmaßliche IS-Mitglieder sind gefasst worden. Darüber sprach Rasmus Buchsteiner mit Rolf Tophoven, Terrorexperte und Direktor des Instituts für Krisenprävention.

Stand ein Anschlag in Deutschland unmittelbar bevor?

Tophoven: Das lässt sich nach derzeitigem Ermittlungsstand noch nicht sagen.
Der Zugriff zeigt, dass dieSicherheitsbehörden extrem wachsam sind und die besonders sensible Szene von IS-Kämpfern in Deutschland gut unter Beobachtung haben. Offenbar hat es jetzt genügend Indizien gegeben, die eine fundierte Anklageschrift durch die Bundesanwaltschaft erlauben. Viel deutet darauf hin, dass diese jungen Männer mit einem Auftrag aus der IS-Führung im syrischen Rakka nach Deutschland eingereist sind.

Was spricht dafür?

Sie sind mit gefälschten Pässen eingereist, die den Papieren ähneln, die bei anderen IS-Terroristen in Europa gefunden wurden. Die Bundesanwaltschaft spricht davon, dass bisher kein konkreter Auftrag aus Rakka festgestellt worden ist. Aber es gibt wohl Verdachtsmomente.

Welche Verbindungen gibt es zu den Attentätern von Paris?

Die jetzt Festgenommen sind über die gleiche Route nach Europa gereist. Hier ist jetzt der Beweis erbracht worden, dass der IS europaweit ein Netzwerk von Schleppern, Fälschern, Kommunikativ-strategen und Attentätern aufbaut. Jetzt in Norddeutschland hat man womöglich eine „schlafende“ Terrorzelle entdeckt. Wahrscheinlich ist, dass es noch weit mehr unentdeckte Zellen in Deutschland und Europa gibt.

Hat der IS den Flüchtlingsstrom gezielt genutzt?

Es wäre naiv anzunehmen, der IS würde diese Chance ungenutzt lassen, um ausgebildete Terrorkommandos direkt aus Syrien einzuschleusen.
Mindestens zwei der Paris-Attentäter waren in Syrien geschult worden. Dem IS geht es aber auch darum, Flüchtlinge anzuwerben. Der Verfassungsschutz spricht inzwischen von mehreren hundert Fällen dieser Art. Viele Flüchtlinge sind mit hohen Erwartungen nach Deutschland gekommen und werden schnell enttäuscht. Das macht sie anfällig für Anwerbeversuche.

Arbeitet der IS gezielt auf einen größeren Anschlag in Deutschland hin?

Wir sind im Fadenkreuz des IS. Er will auch in Deutschland größere Anschläge verüben. Je stärker der IS in Syrien und dem Irak militärisch unter Druck gerät, desto aggressiver tritt er hier bei uns in Europa auf.

 

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