"Wir haben nicht abgeworben"

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An der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist ein neuer Konflikt ausgebrochen, ein heftiger Wirtschaftskrieg. Der Landkreis Ludwigslust wird von Schleswig-Holstein öffentlich beschuldigt, massiv Firmen aus Büchen abzuwerben. Der Landkreis weist die Vorwürfe scharf zurück.

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23. Januar 2009, 05:26 Uhr

Valluhn | "Büchen, ein Opfer von Aufbau Ost" oder "Wer stoppt die Firmenabwerbung" waren nur zwei Schlagzeilen der Lauenburger Nachrichten aus der jüngsten Zeit. Es geht um die Leimfirma Gludan und die "Kulina Zerspanungstechnik", die sich tatsächlich mit Umzugsgedanken in den nur 13 Kilometer entfernten Megapark Valluhn/Gallin tragen. "Doch abgeworben haben wir niemanden, wir sind auf niemanden aktiv zugegangen. Gerade in Büchen war es so, dass die Firmen zu uns gekommen sind und gefragt haben. Dass wir uns dann allerdings kümmern, das kann uns nun wirklich niemand vorwerfen", wehrt sich Wolf-Helmut Sieg, oberster Wirtschaftsförderer des Landkreises aus Ludwigslust gegen zum Teil auch sehr persönliche Vorwürfe. Die kommen vor allem von Werner Hesse, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg. Pikant, Sieg wohnt in Gudow und steht somit auch privat zwischen den Fronten. Die schleswig-holsteinische Seite beklagt vor allem den enormen Förderunterschied zwischen den Ländern. Während Mecklenburg mit bis zu 40 Prozent locken kann, ist Schleswig-Holstein mit maximal 20 prozentiger Förderung der Investitionen klar abgehängt. Diesen Riesenvorteil bestreite in Mecklenburg auch niemand. Sieg: "Das ist nun einmal Gesetzeslage. Aber der Vorwurf, wir würden gezielt Firmen ansprechen und abwerben ist falsch."

"Das mit dem Abwerben ist alles Quatsch", bestätigt auch Jan Szöts, der Geschäftsführer von Gludan. Sein Unternehmen mit derzeit 17 Beschäftigten platzt aus allen Nähten, eine Vergrößerung ist überfällig. Nur an dem alten Standort geht das nicht mehr. "Wir reden doch hier als Firmen alle miteinander und kennen die Fördermöglichkeiten, da ist doch klar, dass wir auch mit Mecklenburg reden." Seit die Drohung im Raum steht, Büchen in Richtung Valluhn zu verlassen, ist Bewegung in die Sache gekommen, denkt man in Büchen über verbilligte Grundstücke nach. In Mecklenburg wird geprüft, ob die Firma Gludan die Höchstförderung bekommen könnte. Das Tauziehen geht weiter.

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