zur Navigation springen
Neue Artikel

23. November 2017 | 04:59 Uhr

"Wir bräuchten mehr Mäzenatentum"

vom

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2013 | 09:37 Uhr

Greifswald | Zehn Jahre nach der Eröffnung des Koeppenhauses in Greifswald fällt die Bilanz von Museumsleiterin Kati Mattutat gemischt aus. Zwar habe das Haus prominente Namen wie Günter Grass oder Frido Mann begrüßen können, sagte Mattitat. Doch angesichts knapper öffentlicher Kassen hat es das Museum schwer. "Wir bräuchten ein verstärktes Mäzenatentum", ergänzte Greifswalds Kulturamtsleiterin Annett Hauswald. Doch so seien die Bedingungen im Osten eben noch nicht.

Mit Romanen wie "Tauben im Gras", "Das Treibhaus" und "Der Tod in Rom" prägte Wolfgang Koeppen in den 50er-Jahren die deutsche Nachkriegsliteratur. "Vielleicht liebe ich diese Stadt" sagte er einst über Greifswald. Dort, wo er 1906 geboren wurde, wird sein Andenken in seinem Geburtshaus wach gehalten: Seit nunmehr zehn Jahren kümmert sich das Literaturzentrum Vorpommern neben der Erforschung und Präsentation literarischer Traditionen vor allem um die Förderung des kulturellen Lebens in der Region.

Von großem medialen Interesse war die Eröffnung des Literaturzentrums damals begleitet worden. Als er gelesen habe, dass das Geburtshaus von Koeppen zu verfallen drohte, habe er mit dem Lyriker Peter Rühmkorf eine Stiftung gegründet, erinnert sich Nobelpreisträger Grass. Koeppen sei für ihn immer ein Vorbild gewesen. "Ein Autor, den ich schon als junger Mann gelesen und geschätzt habe."

Nachdem auch der damalige Bundeskanzler Schröder seine Unterstützung zugesagt hatte, konnten die benötigten Mittel aufgebracht werden. Das Haus wurde instandgesetzt und als Literaturzentrum Vorpommern eröffnet.

Rund 50 000 Euro erhält das Koeppenhaus je zur Hälfte vom Land und der Stadt. Mehr als 100 Veranstaltungen werden im Jahr angeboten. "Große Namen können wir damit kaum nach Greifswald holen", sagt Mattutat, die seit Anfang 2011 das Haus leitet. Die Honorarvorstellungen bekannter Künstler seien oft "jenseitig".

Deshalb fördere man vor allem junge Autoren. "Die brauchen auch viel eher eine Plattform."

Rund 7000 Besucher begrüßt das Literaturzentrum jährlich zu Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen. Von Seiten der Stadt sei die Zukunft des Hauses gesichert, betont Kulturamtsleiterin Annett Hauswald. "Und ich hoffe inbrünstig, dass das Land das auch so sieht." Am 1. August hat Kati Mattutat mit ihren Kollegen vom Johnson-Haus in Klütz, dem Literaturhaus in Rostock und dem Brigitte-Reimann-Haus in Neubrandenburg einen Termin bei Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Eigentlich müsste für das Koeppenhaus eine zweite feste Stelle geschaffen werden, "aber das ist Wunschdenken". Hauswald: "Wir sind schon froh über eine Spende von 100 Euro für eine Plakataktion."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen