zur Navigation springen
Neue Artikel

24. November 2017 | 05:07 Uhr

Windkraft befördert Buntmetallklau in MV

vom

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2013 | 11:23 Uhr

Schwerin | Sie schrecken auch vor großen Fischen nicht zurück. Windkraftanlagen, Schienen oder Hochspannungsleitungen. Einen Schaden von 2,2 Millionen Euro haben Buntmetalldiebe im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern verursacht. Wie das Landeskriminalamt (LKA) in Rampe berichtet, ist damit die Summe im Vergleich zum Vorjahr um 200 000 Euro angestiegen.

Noch vor fünf Jahren wurden die Schäden mit nur einem Sechstel des heutigen Wertes beziffert. "Ein Deliktbereich mit vergleichsweise geringem Entdeckungsrisiko: Die Täter wollen schnelles Geld", erklärt Pressesprecher Michael Schuldt.

Generell seien natürlich alle Branchen betroffen, die über Buntmetall verfügen oder dieses verarbeiten. "Aber in einigen Zweigen fallen die Taten durch Menge oder Art des Diebstahl besonders auf, ob Serien- oder Einzeltat", sagt Schuldt. Besonders oft zu Opfern der Metalldiebe werden nach Angaben des LKA Windkraftanlagen-Betreiber, das metallverarbeitende Gewerbe wie Klempner- oder Dachdeckerbetriebe. Auch auf Baustellen lassen die Täter ihr Diebesgut mitgehen wie bei großen Transportunternehmen.

Die Deutsche Bahn ist der Dauergeschädigte Nummer Eins, verliert jährlich in Deutschland 17 Millionen Euro durch die Langfinger, weil beispielsweise Bahnanlagen und Abspannseile an Oberleitungen abgebaut werden. Laut Bahn haben die Metalldiebe den Reisenden dadurch im Vorjahr 4000 Stunden Verspätung eingebrockt. Mehr als 17 000 Züge seien deswegen nämlich außer Plan gefahren, teilte das Unternehmen mit.

"Die Täter lassen sich nicht in ein einheitliches Profil einordnen", sagt Michael Schuldt. Es wurden in Mecklenburg-Vorpommern sowohl allein handelnde Diebe als auch arbeitsteilig agierende Banden erwischt. "Die aufgeklärten Fälle mit geringen bis mittleren Schadenshöhen wurden aber überwiegend von einem oder zwei Tätern begangen. Von Banden begangene Straftaten verursachen deutlich höhere Schäden", erläutert der Beamte.

Wenn die Polizei die Diebe erwischt, dann zumeist auf frischer Tat. Die Aufklärungsquote liege nämlich spürbar unter der gesamten polizeilichen Aufklärungsquote. Die Mengen an Buntmetall und die für solche Taten erforderliche Logistik heben einige Fälle des vergangenen Jahres besonders hervor.

Schwer zu glauben sei das Demontieren von Windkraftanlagen. "Davon hatten wir im vergangenen Jahr drei Fälle im Bereich der Polizeiinspektion Stralsund", berichtet der Sprecher. Dabei haben die Täter jeweils knapp 50 000 Euro Schaden verursacht.

Wieso sind die Metalldiebe in den vergangenen Jahren aktiver geworden? Im Jahr 2008 fielen die Rohstoffpreise für Buntmetalle wie Kupfer, Zink und Aluminium auf etwa ein Drittel und teilweise sogar noch tiefer. "An den Rohstoffpreisen orientieren sich die Preise für Buntmetallschrott, die somit auch erheblich fielen, was die Fallzahlen in den Jahren 2008 und 2009 erklären dürfte", erklärt Schuldt.

Mit dem deutlichen Preisanstieg bis zum dritten Quartal des Jahres 2010, zum Beispiel 250 Prozent beim Kupfer, seien auch die Fallzahlen deutlich angestiegen. Der nächste Anstieg 2011 folgte indirekt auf die Förderung von erneuerbaren Energien und dem damit verbundenen Ausbau der Windparks.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen