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23. November 2017 | 17:54 Uhr

Willkommen in der Provinz

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2012 | 08:14 Uhr

Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin wird bis 2016 79 Stellen streichen müssen - sollte das gestern vorgestellte Sparkonzept von den Stadtvertretern beschlossen werden. Handwerker, Bühnenarbeiter, Schauspieler, Tänzer und Musiker werden entlassen, oder ihre Verträge werden nicht verlängert. Dem Puppentheater, also einer Puppenspielerin, und der plattdeutschen Fritz-Reuter-Bühne droht gar die Schließung. "Na und?", mag nun der eine oder andere sagen. "Ich gehe sowieso nicht ins Theater, und dass Mitarbeiter entlassen werden oder sogar ganze Betriebe schließen müssen, ist so neu ja auch nicht." Ist es wirklich nicht. Doch ein Theater ist keine normale Firma, sie produziert eben keine Lederwaren oder Binnenschiffe. Auch wenn Landesrechnungshof und Stadtvertretung das suggerieren, indem sie eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt haben, die Effizienz des Theaters auf Heller und Cent unter die Lupe zu nehmen und ein Streichkonzept zu empfehlen. Abgesehen davon, dass fast 80 Stellen, die bei einem der größten Arbeitgeber der Landeshauptstadt wegfallen, menschlich und strukturell schwer zu verkraften sind, des Pudels Kern liegt im Fall des Mecklenburgischen Staatstheaters woanders. Es geht um den Verlust an künstlerischer Substanz. Weniger Theaterleute werden weniger Theater produzieren. Ein geschrumpftes Ensemble wird eben keinen prestigeträchtigen "Tannhäuser" mehr auf die Bühne bringen können. Schlossfestspiele sind, wenn überhaupt, nur noch als Operettenstadl machbar. Ein Kleinstadt-Theater wird weder junge Talente anziehen noch Publikum von weit her. Sollte all das gewollt sein, kann man nur sagen: Willkommen in der Provinz!

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