Wieger der Warenhäuser

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23. Mai 2008, 04:19 Uhr

Wismar - Das Stammhaus des Karstadt-Konzerns in Wismar feiert heute 100. Jubiläum. Seine besondere Bauweise ermöglichte erstmals den Einbau großer Schaufenster. Viele ursprüngliche Elemente sind noch immer erhalten.

In Wismars Krämerstraße eröffnete im Mai 1881 der junge Kaufmann Rudolph Karstadt (1856-1944) aus dem nahe gelegenen Grevesmühlen einen kleinen Laden. Dieses „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft“, das sich zum Weltkonzern mausern sollte, bot damals Stoffe, Damenmoden und Tischwäsche an, es hatte ein Schaufenster und offene Gasflammen zur Beleuchtung.

Karstadts Geschäftsidee – niedrige, feste Preise und Barzahlung – war seinerzeit revolutionär. Dasselbe galt für den Neubau, der vor genau 100 Jahren anstelle des Tuchgeschäfts entstand und in dem heute 54 Mitarbeiter arbeiten.

Gründerhaus rückübertragen
Mecklenburgs erster Stahlskelettbau wurde nach Plänen des Wismarer Architekten Johann Busch errichtet und am 23. Mai 1908 eröffnet. Die besondere Bauweise mit einer tragenden Eisenkonstruktion ermöglichte den Einbau vieler Fenster, erklärt der heutige Filial-Geschäftsführer Enrico Wallborn. Die ursprünglich glänzend grün glasierten Dachziegel wurden 1941 gegen weniger auffällige rote Dachsteine ersetzt, um die Innenstadt vor Luftangriffen zu schützen.

Nach der Enteignung 1948 kam das Stammhaus zur staatlichen DDR-Handelsorganisation HO und 1991 zurück zur Karstadt AG. 2001 wurde das Gebäude saniert, der Standort in Rudolph-Karstadt-Platz umbenannt. 2005 stand das Gründerhaus kurz auf tönernen Füßen, als sich Karstadt von 74 kleinen Häusern trennte. Schließlich aber besann sich der Konzern auf seine Wurzeln und die Rückübertragung des nur 3100 Quadratmeter großen Filetstücks in die KarstadtQuelle AG. 700 000 Euro flossen in die Neugestaltung des kleinsten und ältesten Warenhauses des Handelsriesen. Erhalten sind neben dem Eisengerippe auch der historische Treppenaufgang, Stuckdecken und Mobiliar des Gründers.

Leichte Verluste
Doch selbst das Stammgebäude als Wiege des Warenhauskonzerns sei kein Museum und müsse seinen Umsatz bringen, betont ein Firmensprecher. Während sich Wismar wachsender Beliebtheit mit steigenden Kundenzahlen und Kaufmengen erfreue, verzeichne die Gesellschaft mit rund 120 Waren- und Sporthäusern und 33 000 Mitarbeitern leichte Verluste. Der Umsatz von Januar bis September 2007 sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,7 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Grund seien Umbauten und Einschränkungen in etlichen Häusern gewesen, so ein Sprecher. Für ihn hat das Modell Warenhaus trotz Internet- und Versandhandels Zukunft. Es komme mit seinem großen Sortiment, der thematischen Präsentation sowie Veranstaltungen dem Bedürfnis der Kunden nach Einkaufserlebnissen und Freizeitangeboten entgegen.

Wismar ist stolz auf sein „Kleinod“, ein „Pfund, mit dem man wuchern kann“, wie Kai-Michael Stybel von der Touristeninformation der Hansestadt sagt. Diese lädt für heute zu einer Sonderführung ein, die auch ins historische Karstadt-Kontor im Erdgeschoss des hundertjährigen Stammhauses führen wird.

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