Wieder Streikdrohung bei Bahn

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12. Januar 2008, 01:15 Uhr

Im Tarifkonflikt bei der Bahn flammt die Gefahr neuer Streiks wieder auf. Nach erfolglosen Verhandlungen will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) an diesem Sonntag über ihr weiteres Vorgehen entscheiden. Es gebe dabei auch die "Option Streik", sagte ein Gewerkschaftssprecher am Freitag. Der GDL- Vorsitzende Manfred Schell schloss ein Scheitern der Gespräche nicht aus, die kurz vor Weihnachten auf Druck der Bundesregierung wieder in Gang gekommen waren. Die GDL hatte zuletzt Anfang November gestreikt und Mitte Dezember noch einmal mit Arbeitsniederlegungen gedroht.

Schell nannte die Angebote des Konzerns "nach wie vor unzureichend". Bahnchef Hartmut Mehdorn sprach dagegen von Einvernehmen "in wesentlichen Punkten". Er halte eine Einigung in der nächsten Woche für möglich. Die Bahn will nun erst einmal abwarten, was die GDL am Sonntag beschließt.

Die GDL hatte nach einer mehrstündigen Verhandlungsrunde am Donnerstagabend mitgeteilt, weder beim Entgelt noch bei Arbeitszeitfragen habe es eine Annäherung der Positionen gegeben. Die Gewerkschaft bleibe bei ihrer Forderung von "mindestens zehn Prozent mehr Geld". Die Bahn lehne es zudem weiterhin ab, die Wochenarbeitszeit von 41 auf 40 Stunden zu reduzieren. In den vergangenen Tagen hatte die GDL noch mehrmals die Erwartung auf einen baldigen Durchbruch geäußert und eine Streikdrohung ausgesetzt.

Mehdorn verwies darauf, dass sich beide Seiten beim seit Monaten umstrittenen Thema eines eigenständigen Tarifvertrags und neuer Entgeltstrukturen für Lokführer einig geworden seien. In der Frage höherer Einkommen sei der bundeseigene Konzern nunmehr zudem "bereits über die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen". Demnach wurden der GDL am Donnerstag individuelle Einkommensverbesserungen von 7 bis 15 Prozent angeboten. "Im Schnitt entspricht dies bis 2009 einem Plus von elf Prozent - und zwar ohne Mehrarbeit", teilte Mehdorn mit. Diese Darstellung wollte der GDL-Sprecher nicht kommentieren.

Der schwerste Tarifkonflikt in der Unternehmensgeschichte der Deutschen Bahn schwelt bereits seit März 2007. Die ersten Warnstreiks gab es im Juli. Am vergangenen Samstag hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bekanntgegeben, dass die GDL nicht wie zunächst angekündigt erneut flächendeckende Streiks im Zugverkehr aufnimmt.

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