zur Navigation springen
Neue Artikel

18. Dezember 2017 | 04:24 Uhr

Wie sicher ist unsere Stromversorgung?

vom

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2012 | 10:29 Uhr

Ein europaweiter Stromausfall wie 2006 nach der Abschaltung einer Starkstromleitung für ein Kreuzfahrtschiff an der Ems ist der Albtraum jedes Netzplaners. Damals saßen zehn Millionen Menschen im Dunkeln. Fragen und Antworten zur Sicherheit im deutschen Stromnetz von dpa-Korrespondent Rolf Schraa.

Wie kommt es eigentlich zu einem Netzausfall?

Kleinere Netzausfälle zum Beispiel durch Vögel in Hochspannungsleitungen oder technische Störungen gehören zum Alltag dazu. Der Bericht der Bundesnetzagentur spricht von fast 207 000 Unterbrechungen über drei Minuten Länge im vergangenen Jahr. Sie stellen aber meist keine größere Gefahr dar.

Wie reagieren die Netzbetreiber?

Die Netzbetreiber leiten Strom um, wenn er an bestimmten Stellen fehlt, rufen Reserveleistung ab und schalten bei größeren Störungen Kraftwerke ganz oder teilweise an und ab. Der größte deutsche Hochspannungsnetzbetreiber Amprion hat seine 11 000 Kilometer Netz zum Beispiel in 1031 Teile zerlegt. Alle 15 Minuten erfasst der Rechner für diese Netzabschnitte Störungen und Reaktionsmöglichkeiten.

Sind Eingriffe in die Netze gefährlich?

Prinzipiell nicht. Das ist Alltag in den Netzzentralen. Allerdings seien die Eingriffe wesentlich häufiger, umfangreicher und es habe auch mehr kritische Situationen gegeben.

Was verstehen Netzbetreiber unter kritisch?

Wenn die schnell bereitstehende Primär- und Sekundärleistung nicht ausreicht und auch die so genannte Minutenenergie, die innerhalb von 15 Minuten aktivierbar ist, das Problem nicht löst, müssen ganze Reservekraftwerke hochgefahren werden. Richtig schwierig wird es, wenn das Netz durch weitere negative Faktoren an die Kapazitätsgrenze gerät, wie zuletzt bei eisigen Temperaturen im Februar dieses Jahres.

Wie groß ist der Sicherheitsspielraum der Netze?

Dazu äußern die Betreiber sich ungern, da Störungen ja jederzeit lokal von einer überlasteten Leitung entstehen und sich blitzschnell ausbreiten können.

Als Richtwert gilt aber 130 Prozent Belastbarkeit - also 30 Prozent Sicherheitspuffer.

Wo und wann ist es besonders gefährlich?

Zwischen 18 und 22 Uhr, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, die Sonne nicht mehr scheint und der Wind meist abflaut. Regional ist nach der Abschaltung der Atomkraftwerke Süddeutschland die kritische Region. Wenn dort abends hohe Verbräuche entstehen, kann es zu Einbrüchen kommen.

Aber das müsste man doch vorhersagen können?

In den meisten Fällen ja. Die Stromtransporte des Folgetages müssen bis 14 Uhr angemeldet werden. Da zeichnen Engpässe sich in der Regel ab. Aber plötzliche Leitungsstörungen können trotzdem immer passieren.

Was ist jetzt mit unserer Versorgungssicherheit?

Die Netzbetreiber haben sich bereits mehr "Kaltreserve" an zusätzlicher Kraftwerkskapazität in Süddeutschland und in Österreich gesichert, als nach den Berechnungen nötig sein wird. Doch absolute Sicherheit gibt es nicht, das Black-Out-Risiko ist durch die Energiewende eindeutig gewachsen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen