Widerstand gegen Abriss der Wolfshäger Mühle - Torsten Foelsch setzt sich für Erhalt des denkmalgeschützten Areals ein und sucht Mitstreiter

Sie gehört zum Gutsensemble, prägt das Dorfbild entscheidend mit, doch jetzt soll sie abgerissen werden, die alte Wolfshagener Mühle. Dagegen regt sich Widerstand.

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20. Oktober 2008, 09:44 Uhr

Wolfshagen - „Die Wolfshäger Wassermühle steht an beschaulicher Stelle nahe der Stepenitz bereits seit dem Mittelalter. Es ist eine der ältesten Mühlenstandorte der Prignitz“, schreibt Torsten Foelsch. Das geschichtsträchtige Gebäude ist denkmalgeschützt, doch jetzt droht ihm der Abriss. Die neu gewählte Groß Pankower Gemeindevertretung beschloss das am 16. Oktober.

„Wir haben keine andere Möglichkeit, denn das Gebäude droht einzustürzen, im hinteren Teil sind bereits Gefache herausgebrochen, die Tragwerkskonstruktion ist komplett marode“, beschreibt Groß Pankows Bürgermeister Thomas Brandt. Vertreter der kreislichen Bauaufsicht, der unteren Denkmalbehörde und ein Architekt seien vor Ort gewesen, um sich selbst einen Eindruck vom ruinösen Zustand des Mühlenareals, das sich in Gemeindeeigentum befindet, zu machen.

„Wir können es nicht erhalten, allein die Herstellung der Standsicherheit würde rund 140 000 Euro kosten“, rechnet Bauamtsleiter Halldor Lugowski vor. Der Abriss koste etwa 100 000 Euro. Die müsse die Gemeinde aber nicht allein tragen, sondern habe einen Antrag beim Landesamt für Flurneuordnung auf Fördermittel dafür gestellt.

„Ist es nicht aberwitzig, dass es in einem Land, das ein Denkmalschutzgesetz hegt und pflegt und die Erhaltung der gewachsenen Kulturlandschaft zur Staatsdoktrin erhebt, zwar über Fördermittel für den Abriss von Baudenkmalen verfügt, anscheinend aber nicht über ebensolche für deren Erhaltung? Wozu brauchen wir denn dann überhaupt noch ein Denkmalschutzgesetz, wenn es die Denkmäler gar nicht schützen kann und allenfalls zu steuerlichen Abschreibungsvorteilen gut ist?“, fragt Foelsch und bemängelt, dass Brandenburg „trotz der vielen und oft wiederholten politischen und institutionellen Lippenbekenntnisse seit 1996 keinen frei verfügbaren Denkmalfonds, der nennenswerte Denkmalpolitik erlaubt und auch die Rettung gefährdeter Baudenkmäler oder die Unterstützung von Denkmaleigentümern in nennenswerter Weise gestattet“, hat.

Brandt kann den Ärger des ehemaligen Mitarbeiters der unteren Denkmalschutzbehörde verstehen. Zumal es annähernd 30 Interessenten gegeben habe, die vor allem in den 90er Jahren die Mühle erwerben und dort mit Wasserkraft Strom erzeugen wollten. Doch alle scheiterten, weil kein Staurecht erteilt wurde.

„Naturschutz und Obere Wasserbehörde lehnten das ab, selbst als während der Schlosssanierung nachgewiesen wurde, dass dessen Tragkonstruktion wegen der fehlenden Stauhaltung gefährdet ist“, erklärt Lugowski und fügt hinzu: „In der Stepenitz werden Lachse und Forellen gehalten. Bei einer Stauhaltung reiche die Fließgeschwindigkeit nicht mehr für ein entsprechendes Sauerstoffaufkommen, argumentieren Naturschützer.“

Foelsch will sich mit dem Abriss der Mühle nicht abfinden. „Als Einwohner von Wolfshagen werde ich mich gemeinsam mit anderen Bürgern, denen das Schicksal des baukünstlerischen Erbes im Zentrum unseres Dorfes nicht egal ist, für die Rettung der Wassermühle einsetzen. Wir hoffen, dass auch Gemeinde- und Ortsvertreter das Gespräch suchen und gemeinsam mit uns Möglichkeiten für die Rettung dieses Baudenkmals finden wollen“.

Schade würden es viele Wolfshagener finden, wenn die alte Mühle abgerissen wird, denn sie „gehört einfach zum Dorfbild“, bringt es Holger Schulz auf den Punkt. Doch eine Lösung für deren Nutzung hat er auch nicht. „Wir würden als Gemeinde sogar noch Geld dazu geben, wenn sich ein Investor findet.

Vorausgesetzt, er ist selbst finanzkräftig und hat auch ein schlüssiges Nutzungskonzept“, macht Lugowski deutlich. In einem solchen Fall wäre der Abriss natürlich vom Tisch. „Das wissen auch die Gemeindevertreter.“

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