Weselsky-Bändiger gesucht

Sucht die Konfrontation: GDL-Vorsitzender Claus Weselsky
Foto:
1 von 2
Sucht die Konfrontation: GDL-Vorsitzender Claus Weselsky

Appelle ohne Wirkung: Lokführer lehnen Schlichtung ab und beginnen Vier-Tages-Streik / Wirtschaft drohen Millionenschäden

svz.de von
05. November 2014, 20:50 Uhr

Jetzt schaltet sich die Kanzlerin ein: Auch Angela Merkel drängt auf eine Schlichtung bei der Bahn. Gelingt es, den Großstreik noch in letzter Minute zu verhindern? Es müssten Lösungen gefunden werden, „die auch für uns als Land einen möglichst geringen Schaden haben“, fordert Merkel. „Streiks sind eine Möglichkeit der tariflichen Auseinandersetzung, sie haben aber immer die Verantwortung, auch verhältnismäßig zu sein“, mahnt sie – ohne Erfolg. Am Nachmittag die schlechte Nachricht: Die Lokführergewerkschaft lehnt den Vorschlag eines Schlichtungsverfahrens der Bahn ab. Es wird gestreikt – vier Tage. Die Appelle zeigen keine Wirkung. GDL-Chef Claus Weselsky bleibt hart, zeigt keine Kompromissbereitschaft.

Die Kanzlerin, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter werben für eine Schlichtung, finden das Angebot der Bahn vernünftig, nach dem beide Tarifpartner je einen Schlichter benennen sollten, die bei der Suche nach einem Ausweg helfen könnten. Eine Große Koalition gegen GDL-Chef Weselsky: Gesucht wird ein „Weselsky-Bändiger“. Hatte sich Merkel bisher zurückgehalten, scheint sie jetzt angesichts der wirtschaftlichen Folgen entschlossen zu sein, den Druck auf die Tarifpartner zu erhöhen. Der erneute Streik treffe Millionen Bürger und die Wirtschaft, so die Kanzlerin. „Es gibt eine Gesamtverantwortung“, erinnerte sie. Die Bahn geht bisher von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus. Für die deutschen Unternehmen könnte der bevorstehende XXL-Ausstand richtig teuer werden: Nach einer Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) können die Betriebe kürzere Streiks noch kompensieren. Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie aber Produktionsunterbrechungen zu erwarten. Die Schäden könnten schnell auf über 100 Millionen Euro pro Tag ansteigen.

Die Wut wächst. Der Unmut über die Lokführer und ihren Gewerkschaftschef wird von Tag zu Tag größer. Der GDL gehe es nur um Machterhalt und nicht in erster Linie um die Interessen der Beschäftigten, heißt es bei Regierung und Opposition. „Völlig unverhältnismäßig“, sei das Verhalten von GDL-Chef Weselsky und seinen Stellvertretern. „Was derzeit passiert, ist ein Missbrauch des Streikrechts“, wird SPD-Chef Sigmar Gabriel deutlich. Auch er ruft nach einem Schlichter, um größeren Schaden von der deutschen Wirtschaft abzuwenden.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen