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20. November 2017 | 05:16 Uhr

Werften pleite, Arbeit geht weiter

vom

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2012 | 08:22 Uhr

Schwerin/Stralsund | Alle Rettungsversuche sind gescheitert: Nach erfolglosen Nachverhandlungen mit Kunden und Zulieferern haben die angeschlagenen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast gestern beim Amtsgericht Stralsund Insolvenzantrag gestellt - ungewisse Zukunft für knapp 1800 Werftarbeiter und mehr als 100 Auszubildende. Werftchef Rüdiger Fuchs hatte in den vergangenen neun Tagen vergeblich versucht, Auftraggeber zu Zugeständnissen zu bewegen und frisches Geld in die Unternehmenskasse zu holen. "Jetzt ist klar, dass eine von allen Anspruchsgruppen außergerichtlich getragene Lösung nicht zu erreichen ist", sagte Fuchs gestern. Als Grund für die finanziellen Probleme nannte er frühere Managementfehler. Die Volkswerft in Stralsund habe auf dem Weg zum Spezialschiffbauer zu viele Neukonstruktionen in zu kurzer Zeit übernommen. "Man hat sich zu viel vorgenommen", sagte Fuchs. Vorerst würden die Arbeiten in den Schiffbauhallen fortgesetzt. Das Unternehmen strebe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, um das vorhandene Know-how in den Werften zu halten und um möglichst viele Schiffe aus dem Auftragsbestand weiterzubauen. Dabei wird der Geschäftsführung per Gericht ein Sachwalter zugeordnet, der die Arbeit des Schuldners überwacht. Bislang seien noch keine Aufträge gekündigt oder storniert worden, sagte Fuchs.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bezeichnete die Insolvenz der P+S-Werften als schweren Schlag, drückte aber auch seine Hoffnung auf einen Neustart aus. Land und Bund hatten die Auszahlung der im Mai bewilligten Rettungsbeihilfen vor gut einer Woche gestoppt, nachdem deutlich geworden war, dass die Werftensanierung teurer wird und die 152,4 Millionen Euro Staatshilfe nur bis Jahresende reichen. Für August sollen die Löhne der Beschäftigten aus dem staatlichen Insolvenzgeld gezahlt werden.

Schonfrist für die Werftarbeiter: Das Land stellte gestern eine Transfergesellschaft für Werftarbeiter in Aussicht. Wie schon im Fall der insolventen Wadan-Werften vor drei Jahren sei das Land auch "in Stralsund und Wolgast zu Gesprächen hierüber bereit", kündigte Sellering an. Der Betriebsrat von Stralsund, Jürgen Kräplin, appellierte an Land und Bund, nach dem Insolvenzantrag zu ihrem Wort zu stehen. Am 21. August hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Erwin Sellering den Mitarbeitern Unterstützung zugesagt. "Die Kollegen glauben an einen Neuanfang", betonte der Wolgaster Betriebsratsvorsitzende Carsten Frick.

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