Werften ein Fass ohne Boden

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29. Mai 2012, 06:27 Uhr

Entwickeln sich die Werften an der Ostsee zu einem Fass ohne Boden? Vulkan, Aker, Kvaerner, Wadan, Nordic in Wismar und Warnemünde, Hegemann, A.P. Möller, P+S in Stralsund und Wolgast – zwei Jahrzehnte Werften in Mecklenburg-Vorpommern sind mehr als 20 Jahre permanenter Hilferufe nach dem Geld der Steuerzahler, nach Beihilfen in Milliardenhöhe – ein Ende ist nicht in Sicht. Ohne die öffentlichen Nothilfen aus der Staatskasse würden in den Docks längst die Brenner schweigen. Ein Grund, weitere hunderte Millionen in die trotz dicker Auftragsbücher vor dem Zusammenbruch stehenden Werften in Stralsund und Wolgast zu pumpen? Angesichts der Wirtschaftsstruktur im Nordosten ist die Frage schnell beantwortet: Hochqualifizierte Arbeitsplätze wie im Schiffbau und bei hunderten Zulieferer sind rar in Mecklenburg-Vorpommern. Der Schiffbau ist einer der strukturbestimmenden Wirtschaftsbereiche des Landes. Da wäre es fahrlässig, Nothilfe zu verwehren, um die Werften, vor allem aber tausende Jobs zu retten. Nur: Rechtfertigt diese Branchenmacht permanente Nothilfen für Unternehmen, die es offenbar nicht schaffen, angesichts der Marktentwicklung aber auch eigener hausgemachter Probleme sich selbst über Wasser zu halten? Starke Zweifel sind berechtigt. Wenn Ministerpräsident Erwin Sellering gestern erneut neue Beihilfen an eine Fortführungsperspektive für die Werften koppelt, ist das nicht mehr als Stehsatz aus alten Krisenzeiten. So hieß es schon vor zwei Jahren an gleicher Stelle, als das letzte 326 Millionen Euro teure Finanzkonzept für die beiden Schiffbaubetriebe gestrickt wurde. Vier Jahre sollte es halten, gereicht hat es für zwei. Also doch ein Fass ohne Boden.

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