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20. November 2017 | 13:13 Uhr

Wer nicht umrüstet, sieht schwarz

vom

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2012 | 06:41 Uhr

Am 30. April um 3 Uhr wird die analoge Ausstrahlung von Satellitenfernsehen über Astra eingestellt. Für all jene, die ihre Anlage noch nicht umgerüstet haben, wird der Bildschirm dann schwarz bleiben. Schätzungen zufolge könnten davon mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sein. Wir haben die wichtigsten Hintergründe zur Umstellung auf den digitalen Satellitenempfang zusammengefasst.

Woran erkenne ich, ob ich von der Abschaltung betroffen bin?

Das lässt sich zum Beispiel am Programmangebot ablesen. Bei Astra stehen knapp 35 analogen Programmen gut 350 digitale Sender gegenüber.

Einen Schnelltest bietet auch die Videotext-Tafel 198 bei Das Erste, den Dritten Programmen, ZDF, ProSieben, RTL oder SAT.1. Die Tafel zeigt an, ob noch analog oder schon digital empfangen wird. Auskunft können im Zweifel auch Vermieter, Hausverwaltung oder Hausmeister geben.

Mehr als 80 Prozent der Zuschauer, die ihr Fernsehprogramm über eine Satellitenschüssel empfangen, haben bereits auf digitalen Empfang umgestellt. Für sie ändert sich nichts.

Betrifft die Abschaltung auch Kabelkunden?

Für die Kunden großer Kabelanbieter wie Kabel Deutschland, Unitymedia oder Kabel BW ändert sich nichts. Sie werden auch weiterhin analoge Fernsehprogramme verbreiten, sagen die Anbieter.

Für Kunden kleinerer Netzbetreiber kann es dagegen anders aussehen. Denn auch die Kabelnetzbetreiber erhalten ab Mai nur noch das digitale Fernsehsignal, das muss dann reanalogisiert werden. Das ist ein großer und gerade für kleinere Netzbetreiber ein unverhältnismäßiger Aufwand und kann dazu führen, dass diese Kabelanbieter das analoge Fernsehen ebenfalls nicht mehr anbieten.

Wie funktioniert der Umstieg?

Die meisten Verbraucher müssen nach Angaben von Klardigital, einer Initiative der Landesmedienanstalten und Sender, nur den analogen Satellitenreceiver gegen einen digitalen Receiver austauschen. In modernen Flachbildfernsehern ist häufig bereits ein DVB-S-Receiver eingebaut.

Mitunter muss aber auch die Empfangseinheit, der Low Noise Block Converter (LNB) an der Schüssel gewechselt werden. Er ist das Herzstück der Sat-Schüssel. Um alle digitalen Astra-Programme empfangen zu können, muss er Frequenzen bis 12,75 Gigahertz (GHz) verarbeiten können. Er wird dann auch Universal-LNB genannt. Liegt der LNB in diesem Frenquenzbereich, kann er weiter genutzt werden. Andernfalls muss er ausgetauscht werden. Manchmal stehen die Frequenzen auf dem LNB. Ein Bereich von 10,7 bis 11,7 GHz zeigt an, dass es sich um einen alten, nicht kompatiblen Converter handelt. Als Faustregel gilt: Der LNB muss getauscht werden, wenn er älter als zehn Jahre ist.

Wie ersetze ich meinen alten Receiver?

Die neue digitale wird einfach anstelle der alten analogen Empfangsbox angeschlossen, dann der Sendersuchlauf aktiviert.

Worauf sollte man beim Receiver-Kauf achten?

Receiver, die für den digitalen Satellitenempfang geeignet sind, tragen das Logo "DVB-S" oder "DVB-S2" (für HDTV über Satellit). Welcher Receiver infrage kommt, hängt darüber hinaus auch von den persönlichen Vorlieben ab. Wenn man hochauflösendes Fernsehen (HDTV) nutzen möchte, benötigt man ein Gerät, das für den Empfang von HDTV-Programmen geeignet ist. Dabei sollte man auf die Unterstützung von DVB-S2 achten und mindestens 50 Euro anlegen. 150 Euro und mehr werden fällig, wenn über die Box auch Internetinhalte abgerufen werden sollen (HbbTV) oder ein Festplatten-Rekorder integriert ist. Sollen auch verschlüsselte Programme über Satellit empfangen werden, muss der Receiver HD+ tauglich sein oder über eine CI+-Schnittstelle verfügen. Wer Programme aufzeichnen möchte, benötigt ein Gerät mit integriertem Festplattenrecorder (PVR) oder eines, das den Anschluss einer externen Festplatte oder des Videorekorders ermöglicht.

Benötigt jeder Fernseher einen eigenen Receiver?

Ja. In vielen neuen Fernsehern ist dieser bereits integriert. Andernfalls muss an jedem Fernsehgerät ein eigener angeschlossen werden.

Ersetzt man nur den LNB oder gleich die ganze Schüssel?

Wird auch ein neuer LNB benötigt, kann dieser ebenfalls vergleichsweise leicht ausgetauscht werden. Je nach Zustand der Sat-Anlage müssen unter Umständen auch eine verrostete LNB-Halterung oder eine Schüssel mit abgeblätterter Lackierung ersetzt werden. Probleme kann auch ein verrottetes oder für den Digitalbetrieb ungenügend abgeschirmtes Anschlusskabel machen - nötig sind mindestens 95 Dezibel (dB). War zuletzt beim Analogempfang das Bild verrauscht, sollte ebenfalls eine neue Schüssel mit größerem Durchmesser installiert werden - mindestens 60 bis 65 Zentimeter bei einem normalen oder einem Doppel-LNB, rät der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Bei kleineren Durchmessern drohen beim digitalen Empfang sonst Bildaussetzer.

Was ist beim Kauf einer neuen Anlage zu beachten?

Wer eine Schüssel mit einem Single-LNB kauft, kann daran nur einen Receiver anschließen. An einem Twin-LNB können dagegen schon zwei Receiver betrieben werden, an einem Quad-LNB bis zu vier und an einem Octo-LNB bis zu acht. Außerdem gibt es den Quattro-LNB, an dem in Kombination mit sogenannten Multischaltern eine Vielzahl Receiver Anschluss findet. In Quad- und Octo-LNBs sind solche Schalter bereits integriert, sie sind aber im Gegensatz zum Quattro-LNB nicht mehr erweiterungsfähig. Um ein Programm aufzunehmen, während man parallel ein anderes schaut, ist mindestens ein Twin-LNB erforderlich.

Worin liegt der Unterschied zwischen analog und digital?

Die analoge TV-Übertragung stammt noch aus der Anfangszeit des Fernsehens. Die digitale Verbreitungstechnik soll eine bessere Bild- und Tonqualität bieten. Außerdem benötigt sie weniger Bandbreite im Kabel. Das erhöht die Programmvielfalt. Das digitale Fernsehen soll außerdem weniger anfällig für Störungen sein. Über Satellit können dann mehr als 200 statt bisher 36 Sender empfangen werden.

Muss die Sat-Antenne neu ausgerichtet werden?

Die Position, auf die die Antenne ausgerichtet sein muss, bleibt unverändert bei ASTRA 19,2 Grad Ost. Dennoch sollte man prüfen, ob die Antenne korrekt ausgerichtet ist, denn der digitale Empfang erfordert eine exakte Justierung. Gerade beim Auswechseln des LNB kann es passieren, dass sie versehentlich verstellt wird.

Was bedeutet die Umstellung für Röhrenfernseher?

Sie können weiterhin genutzt werden, ebenso wie Videorekorder. Bei Aufzeichnungen mit einem Videorekorder kann es aber zu Qualitätseinbußen kommen. Wenn diese Geräte weiterhin verwendet werden sollen, muss der digitale Receiver über die notwendigen Scart-Anschlüsse verfügen.

Welche Alternativen gibt es zum analogen Satellitenempfang?

Neben dem digitalen Satellitenempfang kann man Fernsehprogramme auch über Kabel, IPTV und Antenne (terrestrisch) empfangen.

Über das Programmangebot informiert der regionaler Kabelnetzbetreiber bzw. IPTV-Anbieter.

Beim Empfang über Antenne unterscheidet sich die Programmauswahl je nach Region. Welche Programme man wo empfangen kann, findet man auf der Internetseite www.ueberallfernsehen.de.

Betrifft die Abschaltung auch das Astra Digital Radio?

Ja, mit der Abschaltung der analogen TV-Programme wird auch die Übertragung des Astra Digital Radios und der analog verbreiteten Hörfunkprogramme über Satellit enden.

Worin liegt der Unterschied zwischen HD und HD+?

HD oder HDTV stehen für High Definition Television, also hochauflösendes Fernsehen. Es hat eine höhere Auflösung, dadurch wirken die Bilder schärfer. HD+ ist dagegen eine Plattform, über die hochauflösendes Fernsehen verschiedener Sender verschlüsselt angeboten wird. Wer diese Programme nutzen will, braucht eine Set-Top-Box mit HD+-Logo sowie die HD+-Karte zur Entschlüsselung oder ein CI+-Modul mit HD+-Karte.

Das Ganze hat einen Nachteil: Das HD+-Angebot versetzt die beteiligten Sendeanstalten in die Lage, ihre Inhalte besonders zu schützen. So können sie das Aufnehmen von Sendungen und Timeshift ganz verhindern, aufgenommene Sendungen nach einer bestimmten Zeit löschen und beim späteren Ansehen einer Aufnahme das Wegspulen der Werbeblöcke unterbinden. Die Verbraucherzentrale lehnt diese verbraucherunfreundlichen Eingriffe ab.

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