zur Navigation springen
Neue Artikel

20. August 2017 | 17:36 Uhr

Jagd : Wer nicht schießt, muss zahlen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Brandenburgs Wäldern gibt es so viel Wild wie nie zuvor. Gleichzeitig gibt es kein Geld mehr, um Baumpflanzungen durch Zäune vor Verbiss zu schützen. Mit klareren Schadensersatzregelungen soll der Druck auf Jäger erhöht werden, mehr Wild zu schießen.

In Brandenburgs Wäldern gibt es so viel Wild wie nie zuvor. Gleichzeitig gibt es kein Geld mehr, um Baumpflanzungen durch Zäune vor Verbiss zu schützen. Mit klareren Schadensersatzregelungen soll der Druck auf Jäger erhöht werden, mehr Wild zu schießen. Im Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (Barnim) wird zurzeit an dieser Schadensersatzrichtlinie für Verbissschäden durch Schalenwild im Waldgearbeitet. Richten Rehe, Hirsche und Wildschweine auf den Feldern Schaden an, so ist die Ersatzleistung seit Jahren klar geregelt. Im Wald war dies bislang noch nicht der Fall.

Nun soll für Brandenburg eine Schadenstabelle erarbeitet werden, die regelt, wie viel für einen verbissenen jungen Baum gezahlt werden muss. Die Summe wird genau nach Alter und Art des Baumes festgelegt und hängt davon ab, ob das Bäumchen überhaupt noch zum Holzertrag geeignet ist oder um wie viele Jahre sich sein Wachstum verzögert. Besonders berücksichtigt wird außerdem, ob durch den Verbiss ein geplanter Mischwald zu einer Monokultur wird. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat hatte vor einem Jahr schon Vorschläge zur Schadensermittlung unterbreitet. Demnach würde ein Laubbaum mit 1,20 Euro plus 30 Cent je Lebensjahr entschädigt, eine Kiefer mit 55 Cent.

Wer für die Schäden zu zahlen hat, hängt von der Ausgestaltung der Jagdpachtverträge ab, erklärt Ulrich Hardt von der Obersten Jagdbehörde des Landes. Das Landwirtschaftsministerium rät den Jagdgenossenschaften, dem Zusammenschluss aller Landbesitzer eines Jagdbezirkes, in den Pachtverträgen die Jäger zum kompletten Wildschadensersatz zu verpflichten, auch wenn die Pacht dann etwas niedriger ausfallen wird. So steige das Interesse der Jäger, den Wildbestand gering zu halten. Bislang existieren in den Pachtverträgen noch vielerorts Obergrenzen, bis zu denen die Jagdausübenden in die Tasche greifen müssen. Den Rest zahlt die Jagdgenossenschaft, also die Landbesitzer quasi untereinander. Noch sind Waldbesitzer mit Schadensanzeigen sehr zurückhaltend, schätzt Matthias Fochtmann von der Kreisverwaltung Oder-Spree ein. Das könnte sich jedoch ändern, wenn ab dem kommenden Jahr keine Zuschüsse mehr für Einzäunungen von Neuanpflanzungen gezahlt werden.

Schon jetzt klagt der Waldbesitzerverband Brandenburg, dass in weiten Teilen des Landes keine natürliche Verjüngung der Wälder mehr stattfindet, da alle Bäumchen sofort abgefressen würden. Hardt verweist auf Probeeinzäunungen, sogenannte Weisergatter, im Landeswald. Diese hätten immer wieder gezeigt, dass dort, wo das Wild nicht hinkommt, bald junge Bäume sprießen. Jenseits des Maschendrahtes ist dagegen kaum frisches Grün zu sehen.

Martin Hasselbach, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes, verweist auf Fälle, in denen 80 Prozent der neu gepflanzten Bäume durch Wild so geschädigt wurden, dass sie nie den erhofften Holzertrag erbringen können. Das entspricht seiner Meinung nach einem Enteignungstatbestand. Mit den neuen Entschädigungstabellen könnte laut Hasselbach auf teure Gutachten verzichtet werden. Und es könnten vernünftige Kompromisse mit den Jägern erzielt werden. Andernfalls müsse vor Gericht gezogen werden. Im Landeswald ist schon ab diesem Jahr das Geld für neue Einzäunungen gestrichen worden. Im vergangenen Jahr wurden noch 365 000 laufende Meter Zaun verbaut. Die Kosten beliefen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Damit ist nun Schluss. Den Förstern, die im Landeswald auch meist für die Jagd zuständig sind, wurde geraten, künftig mehr Wild zu schießen. Da eine Verlängerung der Jagdzeit in Bezug auf Rehböcke durch eine neue Verordnung vor zwei Jahren gescheitert war, wird den Förstern und Jägern nun offiziell vom Dienstherren empfohlen, Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss vorwiegend von Rehböcken auch außerhalb der Jagdsaison zu beantragen. Von Klagen des Landes als Waldbesitzer gegen die eigenen Förster und Jäger auf Schadensersatz ist zurzeit nicht die Rede.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Jan.2014 | 12:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen