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18. Oktober 2017 | 09:42 Uhr

Wer kommt für den Schaden auf?

vom

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2011 | 07:43 Uhr

Rostock | Die Spuren der Massenkarambolage sind beseitigt. Nun ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft, wie es zu dem schlimmen Unfall kommen konnte. Für Geschädigte stellt sich indes die Frage: Wer kommt für den Schaden auf? Das hängt davon ab, ob die Ermittlungen zu einzelnen Verantwortlichen führen oder nicht.

Ausgebrannte, hin- und hergeschleuderte Autos: Bei Unfällen wie auf der A19 ist die Situation vor Ort oft sehr unübersichtlich. Wer wem hinten drauf gefahren ist oder von seinem Nachfolger auf den Vordermann geschoben wurde, lässt sich oft nicht mehr eindeutig feststellen. Deshalb hat die deutsche Versicherungswirtschaft in diesen Fällen in den 70er-Jahren ein vereinfachtes Regulierungsverfahren entwickelt. Es greift, wenn mindestens 50 Fahrzeuge ineinander verkeilt sind. Dann gilt: Liegt nur ein Heckschaden vor, wird er zu 100 Prozent übernommen, bei einem Frontschaden sind es 25 Prozent. Ist das Auto vorn und hinten beschädigt oder ein Totalschaden, trägt die Versicherung Zweidrittel. "Es spielt dabei keine Rolle, ob man zum Beispiel selbst auf den Vordermann aufgefahren ist oder auf ihn geschoben wurde", sagt Christian Lübke, Sprecher vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Geschädigten können selbst entscheiden, ob sie mit dieser Art der Regulierung einverstanden sind. Andernfalls müssen sie den konkreten Schuldigen für ihren Schaden ermitteln bzw. nachweisen, dass sie aufgeschoben wurden. Ob das vereinfachte Verfahren angewendet wird, entscheidet der Verband anhand von Fotos, Rekonstruktionen und Einschätzungen der Ermittler vor Ort. "Noch haben wir aber keine Detailkenntnisse." Im Falle einer gemeinsamen Regulierung übernimmt eine Versicherung die Federführung - und zwar diejenige, von der die meisten Kunden betroffen sind. Sie holt sich das Geld allerdings später von den anderen beteiligten Gesellschaften wieder. Die Versicherungsnehmer werden dabei jedoch nicht hochgestuft.

Anders verhält sich die Sachlage, wenn einzelne Verursacher ermittelt werden können. "Dann gibt es kein vereinfachtes Verfahren." Stattdessen würde gelten: Den Schaden am eigenen Auto übernimmt die Vollkasko. Für die anderen Fahrzeuge kommt die Kfz-Haftpflichtversicherung auf.

So oder so: "Die Regulierung kann sich lange hinziehen, vor allem dann, wenn es nicht nur um Blech-, sondern auch um Personenschäden geht", sagt Christian Lübke. Er rät den Betroffenen, sich in jedem Fall schnell mit ihrer Versicherung in Verbindung zu setzen. "Sie wissen dann auch, ob das einheitliche Verfahren angewendet wird."

Autobahnkirche Kavelstorf sammelt Spenden für Opfer

Die Autobahnkirche Kavelstorf ist nur einen Steinwurf vom Ort der verheerenden Massenkarambolage auf der A 19 mit acht Toten entfernt. Die einzigen, die dort seit dem Unglück Trost suchen, sind jedoch die eigenen Gemeindemitglieder. In ihrer Kollekte sammeln sie Geld für die Familien der Unfallopfer. Die Gemeinde um Pastor Konrad Frenzel hatte sich nach dem schrecklichen Unfall am Freitag sofort bereit erklärt, den zentralen Gedenkgottesdienst für die Unfallopfer auszurichten. Dieser findet indes morgen um 18 Uhr in der Rostocker Marienkirche statt. Annegret Eggert will dabei sein, wie viele andere Gemeindemitglieder auch. „Natürlich wäre es schön gewesen, wenn die Veranstaltung hier bei uns in der Autobahnkirche stattgefunden hätte. Aber am Ende ist unserer Kirche dann doch zu klein“, zeigt die Kavelstorferin Verständnis.

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