Kommentar : Wer bewegt sich zuerst?

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29. März 2016, 05:00 Uhr

Das Jahr 26 nach der Wiedervereinigung. Überall in Mecklenburg-Vorpommern sind Ortsdurchfahrten, Landes- und Bundesstraßen längst erneuert worden. Einige haben schon zum zweiten Mal frischen Asphalt erhalten. Nur in Bresegard scheint die Welt stehen geblieben zu sein. Hier gibt es immer noch die alte Hoppelpflaster-Straße, die sich auf unterstem DDR-Niveau befindet. Nur der Verkehr hat sich – auch wenn die Straße nicht gerade zu den höchstfrequentierten im Land gehört – weiterentwickelt. Doch die Bresegarder werden seit Jahren hingehalten und vertröstet. Ein Minister nach dem anderen rückt an, schaut sich um, spricht mit den Menschen und geht. Und dann? Dann passiert wieder nichts, außer dass sich der Straßenzustand weiter verschlechtert.

Sind es tatsächlich nur die schützenswerten Bäume, die das Projekt verhindern? Oder liegen die Gründe tiefer? In so einer öffentlichen Verwaltung – egal auf welcher Ebene, in anzuhörenden Verbänden und Behörden arbeitet es sich prima, solange es immer noch eine andere Verwaltung, Behörde oder einen Verband gibt, auf den man mit dem Finger zeigen kann, dass er erst einmal abliefern muss. Ganz sicher findet auch jeder Beteiligte irgendein Gesetz oder irgendeine Richtlinie, nach der er angeblich nicht anders handeln kann. Nur für die Menschen vor Ort, für die Bürger in Bresegard, die tagtäglich infolge des Straßenzustands terrorisiert werden, gibt es nichts. Warum können in Ludwigslust unzählige Bäume, die weder tot noch dem nahen Tode geweiht sind, gefällt werden, während das für den Fall Bresegard als rechtlich fast unmöglich dargestellt wird?

Es ist unglaublich, wie die Bresegarder seit Jahren mit diesem Problem allein gelassen werden. Schwerin ist weit weg. Dort ist das Gepolter nicht zu hören. Wer bewegt sich jetzt endlich, um dem Projekt den entscheidenden Schub zu geben?

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