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24. Oktober 2017 | 11:52 Uhr

Hintergrund : Wenn Raketen Flugrouten kreuzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Etwa 100 Jahre nach dem Start der ersten Linienmaschine gilt Fliegen als sicher wie selten zuvor. Die Branche versucht, jeden noch so kleinen Zwischenfall aufzuklären und ihn so künftig zu vermeiden. Die Technik ist immer ausgefeilter, Sicherheitsstandards sind hoch. Doch seit dem Absturz über der Ukraine und aktuell durch die Bombardements in Syrien gibt es eine Debatte darüber, welche Risiken mit dem Überflug von Krisengebieten verbunden sind.

Unmittelbar nach dem Unglück der MH17 zog die zivile Luftfahrt Konsequenzen. Die meisten Airlines lassen ihre Jets vergleichbare Krisenregionen wie den Irak und Syrien umkurven. Schon im August 2014 richtete die ICAO eine Datenbank ein, aus der sich die Gesellschaften mit Informationen über Krisengebiete eindecken können. So wurde ein spezieller Code für kriegerische Auseinandersetzungen eingeführt – eine Maßnahme, deren Wirkung allerdings umstritten blieb.

Die von Russland im syrischen Bürgerkrieg eingesetzten Marschflugkörper alarmieren Luftfahrt-Organisationen und Fluglinien. Die Europäische Agentur für Luftfahrtsicherheit (EASA) veröffentlichte jetzt eine Sicherheitsinformation für Fluggesellschaften, die den Luftraum über dem Kaspischen Meer, dem Iran und dem Irak nutzen. Die Cruise Missiles flögen unter kommerziell genutzten Flugrouten hindurch, heißt es in dem Schreiben. Zu Einzelheiten über den Einsatz der Marschflugkörper äußerte sich die russische Regierung nicht. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Luftfahrtbranche sagte in Moskau: „Die russischen Raketen stellen keine Bedrohung für Flugzeuge dar, weil sie viel niedriger als die Untergrenze fliegen, um vom Radar nicht erfasst zu werden. Die Flugschneisen der zivilen Luftfahrt liegen viel höher.“ Darauf verwies auch der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Die maximale Flughöhe von Marschflugkörpern liege bei sechs Kilometern, also deutlich unter der von Verkehrsflugzeugen. Zudem würden Syrien und der Irak derzeit nicht von großen europäischen Gesellschaften überflogen. Die EASA sprach in ihrem Hinweis noch keine Empfehlungen aus.

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