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17. Oktober 2017 | 17:10 Uhr

Wenn die Sicherung durchknallt

vom

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2012 | 10:18 Uhr

Ein Jahr lang praktizierte die Bundesregierung die Energiewende nach dem Motto „Augen zu und durch“. Das konnte nicht gut gehen. Während die Lande mit Solarfeldern und Windanlagen zugepflastert werden, geraten die Kosten außer Kontrolle. Höchste Zeit, dass Bundesumweltminister Peter Altmaier die Reißleine zieht. Ohne eine Reform der Ökostrom-Vergütung läuft die Energiewende heiß.

Dabei ist der kräftige Anstieg der Ökostrom-Umlage nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Es gibt keinen länderübergreifenden Masterplan für den Ausbau von Solar- und Windenergie sowie von Biogasanlagen. Stattdessen – wer will es den Betreibern von Photovoltaikanlagen oder Windrädern verdenken – werden die Subventionen mitgenommen. Geld fließt selbst dann, wenn der erzeugte Strom wegen fehlender Anschlüsse gar nicht eingespeist werden kann.

Eine regionale oder gar qualitative Steuerung beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze findet nicht statt. Das gilt erst recht, wenn der Energiemarkt europaweit betrachtet wird. Niemand wird bestreiten, dass Solarenergie aus dem Süden effizienter ist als aus dem Norden. Umgekehrt sollten Windräder dort gebaut werden, wo der Wind am häufigsten und kräftigsten weht – nämlich an der Küste. Doch all dies zählt nicht; entscheidend ist die staatliche Förderung. Bezahlt von den Verbrauchern.

Die Reform der EEG-Umlage ist unumgänglich. Damit Strom bezahlbar und der Preis im europäischen und internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleibt. Wer im Übrigen glaubt, dass die Befreiung stromintensiver Betriebe von der Ökostrom-Umlage für mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Lasten sorgen würde, sollte die wachsende Bedeutung der Energiepreise in der Industrieproduktion nicht vergessen. In vergangenen Jahrzehnten verlagerten Unternehmen wegen zu hoher Arbeitskosten ihre Betriebe ins Ausland. Jetzt droht eine schleichende Deindustrialisierung wegen zu hoher Energiepreise.
Höchste Zeit, die Energiewende mit mehr Vernunft und Augenmaß voranzutreiben, statt den Strompreis mit einer Übersubventionierung der erneuerbaren Energien in die Höhe zu treiben.

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