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Im Wortlaut : Weihnachtsansprache von Ministerpräsident Erwin Sellering

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Einen Tag vor Heiligabend wendet sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) direkt an die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. In der traditionellen Weihnachtsansprache zieht der Regierungschef ein Resümee des zu Ende gehenden Jahres und greift auch aktuelle Themen auf.

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 20:00 Uhr

Wenn wir dieses Weihnachten zur Besinnung kommen, Zeit haben füreinander in der Familie, mit Freunden, dann wird uns klar: 2015 – das war ein besonderes Jahr.

Auf der einen Seite ein besonders schönes. Wir haben 25 Jahre Deutsche Einheit, 25 Jahre Mecklenburg-Vorpommern gefeiert.

Wir haben uns zurückerinnert an die Ereignisse im Jahr 1990: an den Aufbruch, an die große Freude darüber, dass Ost und West wieder zusammen gekommen sind. Und wir haben Bilanz gezogen 25 Jahre danach. Unser Land hat sich in dieser Zeit wirklich gut entwickelt. Unsere Städte und Dörfer sind schöner geworden. Das Land hat nach schwierigen Jahren an Wirtschaftskraft gewonnen. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Darüber können wir uns alle freuen.

2015 war aber auch ein schwieriges Jahr: der brutale, teilweise fanatisch geführte Krieg in Syrien, als Folge davon die große Zahl von Flüchtlingen bei uns in Deutschland, die schrecklichen Terroranschlägen bei unseren Nachbarn in Frankreich.

Das hat bei vielen Ängste und Sorgen ausgelöst, auch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern. Müssen wir auch hier bei uns mit Anschlägen rechnen? Ist das, was wir uns mit großen Anstrengungen aufgebaut haben, in Gefahr? Verändern die Flüchtlinge unser Land so sehr, dass wir wieder einen kompletten Neuanfang bewältigen müssen?

Als Ministerpräsident nehme ich diese Sorgen sehr ernst. Mir sind zwei Dinge sehr wichtig:

Mir ist wichtig, dass wir Menschen, die in ihrer Heimat Krieg, Gewalt und Terror ausgesetzt sind, in Deutschland weiter Schutz geben. Keiner von uns möchte in einem Land leben, in dem Krieg herrscht. Und ich bin davon überzeugt, dass diejenigen Flüchtlinge, die nach ihrer Anerkennung bei uns in Mecklenburg-Vorpommern bleiben, die nicht religiöse Fanatiker sind, sondern Menschen, die sich gerade von unserer freien und offenen Gesellschaft angezogen fühlen, eine Bereicherung für unser Land sein werden.

Wichtig ist aber auch, dass die Aufnahme in geordneten Bahnen erfolgt. Niemand kann unbegrenzt helfen. Die Zuwanderung nach Deutschland muss im kommenden Jahr verlangsamt und verringert werden. Da ist die Bundesregierung in der Pflicht.

Wir hier im Land müssen dafür sorgen, dass die Integration gelingt in Kitas, Schulen, Arbeit. Dabei müssen Lösungen gefunden werden, bei denen Einheimische und Flüchtlinge nicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine schwierige Aufgabe, der wir uns als Landesregierung stellen.

Bei uns im Land haben sich in den letzten Monaten viele Menschen mit großem Einsatz und viel Herz für Flüchtlinge eingesetzt. Ich möchte mich als Ministerpräsident bei allen Helferinnen und Helfern sehr herzlich bedanken. Viele von ihnen werden auch an Weihnachten für andere da sein. Sie geben damit unserem Land ein freundliches, ein gastfreundliches Gesicht: Und sie stehen für unsere christliche und abendländische Tradition, zu der Nächstenliebe und Hilfe in der Not gehören.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,  zum Abschluss möchte ich Sie noch um eines bitten: Gehen Sie bitte nicht denen auf den Leim, die vorgeben, die Deutsche Kultur und das Abendland retten zu wollen, die aber tatsächlich nur Hass und Gewalt säen. Denen müssen wir entschieden entgegen treten.

Lassen Sie uns die Herzen öffnen zu Weihnachten– für die Lieben in der Familie natürlich, aber vergessen wir auch nicht die, die unsere Hilfe brauchen, unseren Schutz und eine Chance für einen Neuanfang.

Ich wünsche Ihnen allen schöne Weihnachten

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