Web-Adressen auch in Arabisch oder Chinesisch

Das Internet wird internationaler. Die Internet-Verwaltung ICANN will Adress-Endungen wie «.com» in Schriftarten wie Chinesisch zulassen. (Bild: dpa)
Das Internet wird internationaler. Die Internet-Verwaltung ICANN will Adress-Endungen wie «.com» in Schriftarten wie Chinesisch zulassen. (Bild: dpa)

Koreanisch, Kyrillisch, Arabisch: Das Web wird internationaler. Die Internet-Verwaltung ICANN hat Adress-Endungen in nicht-lateinischen Schriftzeichen zugelassen.

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30. Oktober 2009, 12:43 Uhr

Seoul (dpa) - Die Internationalisierung des Internets schreitet voran. Nach jahrelanger Vorbereitung werden vom kommenden Monat an erstmals Adressen-Endungen für Webseiten wie «.de» - sogenannte Top Level Domains - in nicht-lateinischen Schriftzeichen zugelassen.

Die Internet-Verwaltungsorganisation ICANN beschloss am Freitag in Seoul zum Abschluss ihres 36. Treffens die Einführung einer zunächst begrenzten Zahl von «internationalisierten» Domain-Namen - auch mit Endungen beispielsweise in chinesischer und arabischer Sprache.

Erste internationalisierte Domain-Namen im November

«Das ist nur ein erster Schritt, aber es ist ein unglaublich großer und ein historischer Schritt Richtung Internationalisierung des Internets», sagte der ICANN-Geschäftsführer Rod Beckstrom in der südkoreanischen Hauptstadt.

Die schon im vergangenen Jahr beschlossenen Pläne zur Vergabe von Domains in nicht-lateinischen Schriften sollen schrittweise umgesetzt werden. Im Rahmen eines Schnellverfahrens sollen die ersten internationalisierten Domain-Namen (IDN) am 16. November eingeführt werden.

Langwierige Vorarbeit der ICANN

Anfangs soll allerdings nur die Registrierung von Codes zur Bezeichnung von Ländern, wie beispielsweise «.kr» (Korea) oder «.ru» (Russland), zugelassen werden, die von den jeweiligen Regierungen kontrolliert werden. Die Verwendung von IDN soll zu einem späteren Zeitpunkt zu allen Arten von Internetadressnamen erweitert werden.

«Wir haben damit den Zugang zum Internet für Millionen von Menschen in Regionen wie Asien, Nahost und Russland, vergrößert», sagte Beckstrom. Den Veränderungen seien Jahre der Arbeit, Tests, Studien und Diskussionen innerhalb der ICANN-Gemeinde vorausgegangen, teilte der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Peter Dengate Thrush mit.

ASCII-Schriftsatz aufs Lateinische beschränkt

Die Änderung begründet ICANN damit, dass von den 1,6 Milliarden Internetnutzern mehr als die Hälfte Sprachen verwenden, die nicht auf lateinischer Schrift basieren. Die bisherige Beschränkung hatte technische Gründe. Jede Adresse im Internet muss übersetzt werden: von der langen Version in Zahlen und Zeichen, die sich Menschen gut merken können, in eine maschinenlesbare Zahlenkombination - die IP-Adresse. Das Dolmetschen übernehmen Namensserver. Sobald ein Nutzer einen Domain-Namen aufruft, spucken sie die Zahlenkombination aus. Für «www.bundesregierung.de» ist das etwa die Adresse 217.79.215.248.

Das Wörterbuch der Namensserver ist bislang beschränkt auf den ASCII-Schriftsatz. Dieser «American Standard Code for Information Interchange» enthält nur lateinische Zeichen - weder deutsche Umlaute noch chinesische Zeichen sind darin zu finden. Mit anderen Worten: Im Lexikon fehlten die Kapitel, um Adressen mit solchen Top Level Domains zu übersetzen. Der Teil vor dem Punkt darf allerdings schon jetzt aus anderen Zeichen bestehen, darunter «ä», «ö» oder «ü».

Unternehmen begegnen der Änderung mit Skepsis

Die Internet-Lenker haben nun ein System entwickelt, um genau das auf Top Level Domains auszuweiten. Besteht sie aus einer anderen Schriftart als der lateinischen, wird künftig doppelt gedolmetscht. Alle Zeichen der Welt sind in dem universalen Schriftsatz Unicode festgehalten. Chinesische Symbole werden künftig zunächst von Unicode in ASCII übertragen und anschließend in die IP-Adresse.

Während die neuen Endungen von Russland bis Korea begeistert aufgenommen werden, sind viele internationale Unternehmen skeptisch. «Markenrechtsinhaber befürchten, dass sie großen Aufwand betreiben müssen, um ihre Domains zu registrieren und zu schützen», sagt Experte Keller. Denn das Internet wird nicht nur internationaler, sondern auch unübersichtlicher.

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