Kommentar des Chefredakteurs : Wasser auf die Mühlen

svz.de von
09. Juni 2016, 18:26 Uhr

Genau das ist die Art politischer Debatte, die nicht nur junge Menschen sich von Politik ab- oder Populisten zuwenden lässt: Reflexhaft werden Gymnasiasten kritisiert für eine selbstbestimmte Form von Unterricht. Ohne zu hinterfragen, was genau abgelaufen ist. Ohne mit den Schülern und betreuenden Lehrern zu reden, stand das Urteil fest.

Sicher ist es eine Herausforderung, mit Populisten und Extremisten seriös zu diskutieren. Womöglich haben die Schüler aber dank der Erfahrung, nur Wortstanzen, rhetorische Gegenfragen und zweifelhafte Argumente geerntet zu haben, genau die Schlussfolgerung gezogen, dass mit „denen“ kein Staat zu machen ist. Wäre doch toll. Doch nach dem Lerneffekt hat wohl niemand gefragt.

Was haben sie stattdessen gelernt? Spiel lieber nicht mit Schmuddelkindern, sonst stehst du am politisch korrekten Pranger.

Weder ist Schülern und Lehrern zugetraut worden, intelligent genug zu sein, mit dem besonderen Projekt sorgsam umzugehen. Noch gestanden die Landespolitiker ihnen zu, ihre Erfahrungen souverän einzuordnen. Das ist ein Misstrauensbeweis gegenüber der Schule – und ein Armutszeugnis für die politische Kultur.

Gemessen daran, dass bislang keine Partei auf Nachfrage eine Idee formulieren konnte, wie sie denn gedenke, mit einer möglichen AfD-Fraktion die Auseinandersetzung zu führen, macht das massiv nachdenklich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen