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Was menschliche Überreste nach Jahrtausenden verraten

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erstellt am 26.Jun.2013 | 10:05 Uhr

Emder Moorleiche: „Bernie“ hatte Krebs und Arthrose

Neue Erkenntnisse über eine 1200 Jahre alte Moorleiche aus Ostfriesland sind moderner Medizintechnik zu verdanken: „Bernie“ hatte zu Lebzeiten etliche Krankheiten. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten deutliche Hinweise auf eine Krebserkrankung und auf Arthrose ergeben, erklärte Archäologe Jürgen Bär vom Ostfriesischen Landesmuseum Emden. Damit sei auch klar, dass „Bernie“ entgegen früherer Annahmen nicht eines gewaltsamen Todes gestorben sei.

Die schon früher bekannte Schädelverletzung geht nach Ansicht des Archäologen nicht auf einen Schlag zurück. Sie entstand vielmehr erst nach dem Tod des Mannes durch den Druck des Torfes auf dem Grab. In der Universitätsmedizin Göttingen wurde die Moorleiche unter anderem im Computertomographen untersucht. Die Göttinger Forscher stellten unter anderem einen gut verheilten Rippenbruch fest. Hinzu kamen Linien am Schienbein, die bei Jugendlichen durch Mangelkrankheiten oder durch Entzündungen entstehen. Daneben gab es Spuren von Arthrose in Gelenken. Eine chronische Kiefer- und Nasennebenhöhlenentzündung sei typisch für die damaligen Umweltverhältnisse gewesen, weil die Häuser noch keinen Rauchabzug hatten.

Nach den Hinweisen auf Krebs und andere Krankheiten ergab sich für die Forscher die Frage, woran der Mann gestorben sei und warum er isoliert im Moor begraben wurde. Der 1907 im Kreis Aurich gefundene Tote müsse zu Lebzeiten lange gepflegt worden seien – bei einem Kranken aus der Unterschicht wäre dies nicht passiert.

Das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover will mit einer Computeranalyse auch das Aussehen des Mannes aus dem 8. Jahrhundert rekonstruieren lassen.

Ramses III. 3000 Jahre alter Mord aufgedeckt

Lange war das Schicksal des letzten großen ägyptischen Pharaos, Ramses III., unklar. Erst vor kurzem haben Wissenschaftler an der über 3 000 Jahre alten Mumie mit Hilfe moderner Medizintechnik nachweisen können: Seine Kehle wurde durchtrennt. Der Pharao ist Mitte des 12. Jahrhunderts vor Christus ermordet worden. Er wurde offenbar Opfer eines Komplotts, den seine Ehefrau Teje gegen ihn anzettelte, um den gemeinsamen Sohn Pentawer auf den Thron zu hieven. Der Ägyptologe Zahi Hawass konnte zusammen mit Carsten Pusch, Genetiker an der Universität Tübingen sowie Albert Zink, Leiter der Europäischen Akademie Bozen, den Mord mit Hilfe moderner medizinwissenschaftlicher Analysemethoden zweifelsfrei beweisen. Die Wissenschaftler untersuchten die Mumie des Pharaos computertomographisch, radiologisch und molekulargenetisch. Die Halsverletzung konnte erst durch die Computertomographie sichtbar gemacht werden. Zudem wiesen die Forscher mit einem Gentest nach, dass Pentawer tatsächlich der leibliche Sohn von Ramses III. war. Auch darüber herrschte unter Historikern lange Zeit Unklarheit.

Ötzi: Mumienforscher spüren Blutergüssen nach

Forscher konnten neue Hinweise auf Blutergüsse im Hirn des Gletschermanns Ötzi aufspüren. In winzigen Gehirnproben der 5000 Jahre alten Mumie fanden sie Eiweiße von Blutkörperchen und Hirnzellen sowie Nervenstrukturen - die auch die Annahme untermauern, Ötzi habe sich die Blutergüsse erst unmittelbar vor seinem Tod zugezogen. Ob die vermuteten Blutergüsse von einem Schlag auf die Stirn stammen oder von einem Sturz nach seiner Pfeilverletzung, konnten aber auch das Team um Frank Maixner von der Europäischen Akademie in Bozen und Andreas Keller von der Universität des Saarlandes nicht sagen.

Die in der Probe gefundenen Blutklumpen lieferten weitere Hinweise dafür, dass es sich im ansonsten nahezu blutleeren Leichnam bei den dunklen Stellen um Blutergüsse handeln könnte. Diese müsse sich der „Mann aus dem Eis“ unmittelbar vor seinem Tod geholt haben. Ötzi habe ein „außerordentlich gut erhaltenes Gehirn“, halten die Experten jedenfalls fest. Bereits nach der Analyse einer Computertomographie vor mehreren Jahren vermuteten Wissenschaftler, zwei dunkel verfärbte Stellen im Ötzi-Großhirn seien wohl durch den Schlag eines Angreifers entstanden.

Nicht nur weil viele DNA-Proben von Mumien wegen des Abbauprozesses nichts mehr ergeben, ist das Team ganz angetan von seiner Protein-Analyse: „Im Unterschied zur DNA, die in allen Zellen des Körpers gleich ist, zeigen uns Proteine, was genau an ganz spezifischen Orten im Körper wirklich abläuft“, sagte der beteiligte Forscher Andreas Tholey von der Universität Kiel.

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